SunDancer II: ein neuer H-alpha-Filter mit Blockfilter – ein Erfahrungsbericht

 

Baader SunDancer II H-alpha Filter

Baader SunDancer II H-alpha Filter (#1363056, € 3345,-)

In diesem Sommer haben wir Hr. Michael Büchner den neuen Baader SunDancer II H-alpha Filter (#1363056, € 3345,-) für drei Wochen zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Wir freuen uns sehr über sein positives Fazit und seinen Erfahrungsbericht.

  1. Aufbau/Lieferumfang:

Das Besondere an dem System ist, dass es ein H-alpha-Sonnenfilter von einer Halbwertsbreite von 0,6±0,1Å, mit angeschraubter 3xTelezentrik und integriertem Blockfilter in einem ist.

Die Einheit ist 13 cm hoch, also sehr kompakt und erstaunlich leicht. Meine Küchenwaage zeigte nur 397 g an. Damit wiegt der Filter mit Telezentrik und Blockfilter deutlich weniger als die meisten meiner 2 Zoll Weitwinkelokulare. Durch das geringe Gewicht und die kompakte Bauweise des SunDancers II wird der Okularauszug wenig beansprucht.

Die 3xTelezentrik mit integrierten Blockfilist speziell für den SunDancer II entwickelt worden. Teleskopseitig verfügt der Sundancer über einen kombinierten 2 Zoll und 1 ¼ Zoll Steckanschluss und okularseitig über ein T2-Gewinde. Mitgeliefert wird noch die fokussierbare 11⁄4" Okularklemme. Die ganze Einheit ist in einem B+W Outdoor-Case verpackt.

Zu dem Lieferumfang gehört noch die Kontrollbox zur Temperatursteuerung, die etwas dicker als ein Handy ist, ein 220V-Netzteil und eine praktische Aufbewahrungstasche für die Kontrollbox. Die Tasche lässt sich über einen Klettverschluss direkt an der Montierung befestigen.

Sehr praktisch ist aus meiner Sicht auch, dass der Filter über einen 12V Lithium Akkupack betrieben werden kann. So kann der Filter mobil im Feld, im Urlaub oder bei Sonnenfinsternis-Expeditionen genutzt werden. Der kleine Koffer passt gut ins Handgepäck.

Was ich bei dem Filter im Test besonders geschätzt habe, sind die kurzen Rüstzeiten. Der Aufbau geht sehr schnell, weil Halpha-Filter, Telezentrik und Blockfilter eine Einheit sind. Diese wird in den Zenitspiegel gesteckt und nach etwa 3 Minuten aufheizen ist der Filter sofort einsatzbereit.

Laut Hersteller benötigt man bis 80mm Öffnung nicht einmal einen Energieschutzfilter.

Für den Test wurden folgende 2 Teleskope verwendet:

Skywatcher Evostar 120 ED mit 900mm Brennweite mit Baader SunDancer II

Aufbau Skywatcher Evostar 120 ED

Baader SunDancer II H-alpha Filter

Baader Triband mit SunDancer II H-alpha Filter

Aufbau 8 Zoll Triband SCT


Die Schmidtplatte des Triband ist speziell beschichtet, so dass ein zusätzlicher ERF-Energieschutzfilternicht erforderlich ist. Die Transmissionsbereiche der Schmidtplatte sind 380 bis 400 nm, 480 bis 515nm sowie 630 bis  680 nm.

Bei den Triband SCT wurde der SolarSpectrum Research Grade 0.4x Telecompressor 2" (#2459260, € 325,-) eingesetzt. Dieser wird okularseitig direkt auf den SunDancer II montiert und reduziert die zuvor vom telezentrischen System dreifach verlängerte Brennweite wieder annähernd auf den Faktor 0.

  1. Visuelle Beobachtung

Wenn der Filter seine Temperatur erreicht hat, zeigt er beeindruckende Einzeleinheiten sowohl bei den Flecken auf der Sonnenoberfläche als auch bei den Protuberanzen. Bei gutem Seeing sind auch Spikulen am Sonnenrand leicht erkennbar. Das Bild ist gleichförmig hell. Ein Einsatz eines leichten Neutraldichtefilter zur besseren Erkennung von Details ist aus meiner Sicht nicht erforderlich.

Der Hersteller empfiehlt für den Filter ein Teleskop-Öffnungsverhältnis von f/10 bis f/8, einsetzbar wäre er auch bis f=6,5. Der 120 ED hat f/7,5. Ich konnte beim Abblenden auf f/10 visuell keine Kontrast-Unterschiede feststellen.

Über die Mikrometerschraube am Etalon lässt sich der Filter um 3° aus der optischen Achse kippen und so die zentrale Wellenlänge in Richtung des blauen Flügels der Halpha-Linie verschieben. Dies funktioniert in der Praxis sehr gut. Auch durch eine Erhöhung der Zieltemperatur an der Kontrollbox lässt sich die zentrale Wellenlänge des Filters verschieben. Eine Änderung um 10,0 Grad ergibt eine Änderung um etwa 1 Angström.

Der 0.4x Telekompressor beim Triband SCT zeigt ein sehr gutes Bild. Wenn das Seeing es zulässt, sieht man gerade auf der Sonnenoberfläche feinste Details wie z.B. eine Superpenumbra, aktive Surge, Filamente, Flares.

Besonders viel Freude macht es mit einem Binokularansatz an dem Filter auf der Sonnenoberfläche spazieren zu sehen. Die Details auf der Sonnenoberfläche und in den Protuberanzen treten dann plastisch hervor.


  1. Fotografische Beobachtung

Der fotografische Arbeitsabstand vom Filter beträgt nach Anleitung 65mm. Die fokussierbare Okularklemme hat eine Baulänge von 29 - 35,5 mm. Es wird also noch eine T2-Verlängerung benötigt, um in den gewünschten Arbeitsabstand zu kommen.

Die folgenden Aufnahmen habe ich mit einer ZWO ASI 174MM gemacht. Die Aufnahmedauer betrugt immer 20sec. Die Videos wurden mit Autostakkert 3 gestackt. Die Verwendungsrate lag bei 450 von 5000 Bildern. Die Summenbilder wurden mit der Wavelet-Funktion aus RegiStax 6 geschärft.

14.8.2021 11:15 UT  120 ED Refraktor f=900mm

14.8.2021 11:15 UT 120 ED Refraktor f=900mm

 14.8.2021 11:28 UT 120 ED Refraktor f=900mm

14.8.2021 11:28 UT 120 ED Refraktor f=900mm


3.9.2021 11:58 UT 120 ED Refraktor f=900 mm

3.9.2021 11:58 UT 120 ED Refraktor f=900 mm

3.9.2021 12:01 UT 120 ED Refraktor f=900mm

3.9.2021 12:01 UT 120 ED Refraktor f=900mm


8.9.2021 13.27 UT 8 Zoll Triband SCT

8.9.2021 13.27 UT 8 Zoll Triband SCT

8.9.2021 13.27 UT 8 Zoll Triband SCT

8.9.2021 13.27 UT 8 Zoll Triband SCT

Mein persönliches Fazit:

Die Handlung und Qualität des SunDancer II H-alpha-Filter mit Blockfilter haben mich im Test echt überzeugt. Der Filter ist schön kompakt, leicht, sehr schnell einsetzbar und eignet sich hervorragend für den mobilen Einsatz mit Refraktoren bis zu f/8 und mit dem Triband SCT. Gerade in Kombination mit dem Triband SCT kann man bei gutem Seeing feinste Details beobachten.

Michael Buechner, https://www.sternfreundefranken.de

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