Privatperson

GM 2000 QCI –

Sönke Schnepel

Hallo Herr Risch,

nachfolgend meine ersten Erfahrungen zum neuen QCI 2.7 Betriebssystem zu den Themen: 1. Installation 2. Balance-RA und Balance-Dec. 3. A-PEC (Adcanced Periodic Error Control) / Dual-Tracking

1. Installation
Nachdem im 10Mircron Forum von einigen Problemen bezüglich der Installation der neuen QCI 2.7 Firmware berichtet wurde, war ich einwenig skeptisch, ob ich das Upgrade tatsächlich aufspielen sollte. Es waren bei einem oder gar mehreren Benutzern Probleme mit einer zu geringen Spannungsversorgung nach der Installation der Firmware aufgetreten und die Montierung konnte nur nach vorherigem Austausch der Spannungsversorgung wieder in Betrieb genommen werden.

Glücklicherweise habe ich derlei Probleme mit der Installation nicht gehabt, stattdessen die eine oder kleine Ungereimtheit in der Dokumentation bemerkt: nach erfolgreicher Installation sollte das System eigentlich von selbst neu booten, dies geschah allerdings nicht. Nachdem auf dem Kontrollpad die Anzeige für den Download beendet war, wurde die aktuelle Position (RA, Dec) angezeigt.
Zuerst war ich etwas irritiert, nach Überprüfung der Versionsnummer auf dem Kontrollpad war ich dann doch beruhigt, die Version QCI 2.7.2 war erfolgreich aufgespielt, auch die Menüstruktur war verändert wie im Manual für das QCI 2.7.2 beschrieben. Danach habe ich manuell gebootet und während des Hochfahrens des Systems wurde die zusätzliche Mitteilung “Initializing Motors” angezeigt, in beiden Achsen fand eine sanfte, doch deutlich wahrnehmbare Bewegung der Motoren statt, danach wurde das Standard-Menü angezeigt.

Laut der Dokumentation kann man das Upgrade auch über eine Ethernet Verbindung aufspielen, sofern die aktuelle Firmware-Version mindestens 1.6.1 oder höher ist. Da ich alle Updates bisher aufgespielt habe (letzte Version war 1.7.2) war die Prozedur ein Kinderspiel und ging auch entsprechend schnell von statten. Sofern Benutzer bisher noch nicht Ihre Firmware aktualisiert haben dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, zumal die Firmware-Updates bis 1.7.2 alle kostenlos sind.

2. Balance-RA und Balance-Dec.
Da ich über keine permanente Sternwarte verfüge muss entsprechend für jede Beobachtungsnacht das Setup neu ausbalanciert werden. Zwar kann man – einmal ausbalanciert – sich mit Markierungen behelfen, um nicht jedesmal das Prozedere zu wiederholen, nichtsdestotrotz war ich sehr gespannt, wie schnell und vorallem wie genau eine vom System errechnete Balance erreicht werden kann. Und um es gleich vorwegzunehmen: ich bin begeistert. In der ersten Nacht – ohne fotografisches Zubehör – habe ich noch gute 10 Minuten gebraucht, um die Balance für die RA-Achse auf 0.03% Abweichung zu justieren. Eine Messung dauert ungefähr 1:20 Minuten und ich habe 8 Messungen durchführen lassen. Dabei fährt die Montierung insgesamt vier Positionen an und man sollte tunlichst darauf achten, dass genügend Platz vorhanden ist und keine Kabelverbindungen während des Anfahrens der Positionen verhaken können. In der zweiten Nacht, mit vollem fotografischem Zubehör (Leitfernrohr, SBIG-STL und Kamera-Rotator) ging es deutlich schneller und nach 4 Messungen und entsprechenden Korrekturen der Position des Gegengewichts konnte eine Genauigkeit von 0.08% erreicht werden. Als ausbalanciert gibt 10Micron einen Messbereich von -0.20 bis +0.20% an. Gleiches gilt für die Balance in der Deklination, das Prozedere ist genauso einfach.

3. A-PEC (Adcanced Periodic Error Control) / Dual Tracking
Die neue Firmware erlaubt es endlich, Korrekturdaten des periodischen Fehlers über mehr als eine Schneckenumdrehung zu erfassen und zwar für 15, 30 und gar 60 Minuten. Je länger das Training gefahren wird um so genauer kann das Modell errechnet werden und dementsprechend genauer erfolgt die Fehlerkorrektur bei einer gleichzeitig gleichmäßigeren Nachführung. Ich habe zunächst einmal visuell mit einem Messokular und beleuchtetem Fadenkreuz an einem Celestron C-11 bei gut 220x Vergrößerung 30 Minuten lang ein Training absolviert, während des Trainings die minimalen Abweichungen (die Anlage war bereits gut eingenordet!) korrigiert und anschließend einen Fixstern mit dem Messokular wiederum 30 Minuten beobachtet ohne jegliche Korrekturen und ich konnte keine nennenswerten Abweichungen erkennen. Beim zweiten Versuch habe ich dann den Auto-Guider benutzt und anschließend erste Test-Aufnahmen (5 Minuten ohne Guiding) vorgenommen und die Fehlerkorrektur sieht vielversprechend aus. Ein ausführlicher Test mit Langzeitaufnahmen muss allerdings noch folgen.

Wenn man die Option ‘Dual Tracking’ (Korrektur in beiden Achsen) aktiviert, stellt man fest, dass insgesamt die Motoraktiviäten für die Korrekturen steigen. Inwieweit aber diese Option tatsächlich in meinem Fall Auswirkungen auf die Nachführqualität hat kann erst in weiteren Tests ermittelt werden, indem z.B. die Montierung etwas schlechter eingenordet ist bzw. man die Option ohne A-PEC benutzt oder aber A-PEC ohne die ‘Dual Tracking’ Option. Nach den ersten Erfahrungen mit dem QCI 2.7.2 Upgrade bin ich sehr zufrieden mit den neuen Möglichkeiten und freue mich schon darauf, die zu erwartende, verbesserte Nachführgenauigkeit in der Praxis anhand von Langzeit-Aufhahmen zu überprüfen.

So, das schon mal für’s erste. Ich hoffe, Sie finden die Informationen hilfreich.
Mit freundlichen Grüßen, Soenke Schnepel

Zu seinen – dem Bericht beigefügten Astrobilder (durch Anklicken vergrößern – 2.004 x 1.336 pxl) schreibt Herr Schnepel noch …

.”..Gerne stelle ich Ihnen ein Bild von meiner Ausrüstung und jeweils ein Foto von M27 (LRGB 60:40:40:40, 1×1 bin, Date: 04-24-2009, Planewave CDK 12.5″, SBIG-STL 11000M) und von NGC7822
(Lum: 6×5 Minuten, TMB 130 F/6, SBIG-STL 11000M) zur Verfügung. Letzteres wurde mit einem Officina Stellare TMB 130 F/6 aufgenommen, allerdings nur als Luminanz-Aufnahme, da die Bedingungen doch teilweise sehr ungünstig waren. Das Besondere daran ist aber der Umstand, wie die Aufnahme zustande gekommen ist. Ich hatte gerade das QCI 2.7.2 Update frisch installiert und in der ersten brauchbaren Nacht mich mehr um Balance-RA/Dec. und A-PEC/Dual Tracking gekümmert als es in der darauf folgenden Nacht endlich soweit war, das neue System zu testen. Insbesonders interessierte mich, ob sich die Tracking-Genauigkeit mit aktiver A-PEC und Dual-Tracking Option bei einer wirklich guten Ausbalancierung des Systems über die neue Balance-RA/Dec. Funktion spürbar bemerkbar machen oder ob es vielleicht doch nur ein “Marketing”-Trick ist. Insgesamt habe ich einen kompletten LRGB-Satz von 10 x 5min aufgenommen (3h 20m!), alle Fotos weisen punktförmige Sterne auf, es sind keine Nachführprobleme zu erkennen. ”

Und nun kommt’s: Nachdem ich mit den Aufnahmen fertig war musste ich zu meinem Erschrecken feststellen, dass ich das Guiding Kabel zwar an der Montierung angeschlossen, dieses aber nicht mit der STL-Kamera verbunden hatte. Das war unbeabsichtigt und ich wollte einen derartigen Test ohne jegliches Guiding eigentlich später machen. Hocherfreut war ich dann, als ich die Aufnahmen genauer analysierte und feststellen konnte, wie stabil die Nachführung läuft. Das war vorher auch trotz sehr guter Einnordung ohne Guiding nicht möglich.

Mit freundlichen Grüßen, Sönke Schnepel

Weitere Bilder, aufgenommen mit einem TMB 130mm und dem CDK 12.5″ auf der GM 2000 QCI, finden Sie auf der Homepage von Herrn Schnepel.