Zwerggalaxie "Leo I" - Neueste Beobachtung von Helmut Heinicke

Lesen Sie hier die Eindrücke von unseren Kunden Helmut Heinicke mit  TEC APO 140 f/7 ED Triplet Apochromat (#1351000, € 7400,-) auf einer 10Micron GM2000 HPS und der CCD-Kamera FLI-ML 16200.

Ich habe mir am vergangenem Samstag ein "exotisches" Objekt ausgesucht: Leo I. Das ist eine Zwerggalaxie im Sternbild Löwe. Das Objekt wird nicht gar so oft fotografiert, da es in unmittelbarer Nähe von Regulus (Alpha Leo), dem Hauptstern des Löwen, ein schwieriges Objekt ist. Aber gerade so etwas reizt mich manchmal.

 

Die Milchstraße, unsere Heimatgalaxie, hat eine ganze Anzahl von Begleitgalaxien. Am bekanntesten sind die beiden Magellanschen Wolken, die nur auf der Südhalbkugel zu beobachten sind. Leo I ist ein weiterer Begleiter, und zwar einer der entferntesten, etwa 820.000 Lichtjahre weit weg. Der scheinbar benachbarte Regulus ist nur etwa 75 bis 77 Lichtjahre von uns entfernt. Das macht die Beobachtung zu einer Herausforderung. Tatsächlich wurde Leo I erst 1950 entdeckt, und zwar bei der Durchmusterung von Fotoplatten, die mit einer 48 Zoll Schmidt-Kamera auf dem Mount Palomar aufgenommen wurden.

Die visuelle Untersuchung begann erst in den 1990er Jahren.


Ich habe die Aufnahmen mit dem TEC 140 (140/980 mm) auf einer 10Micron GM2000 HPS und der CCD-Kamera FLI-ML 16200 gemacht.

Der Himmel über dem bairischen Nersingen war mäßig dunkel. Das SQM zeigte im Zenit anfänglich 20.2, später 20.5 an, was für unsere Verhältnisse typische Werte sind. Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit, denn es kommt ja auch auf die Transparenz an, und die fand ich schlecht. Mit einer Gesamtbelichtungszeit von 2 Std. 15 Min. habe ich fast das maximal mögliche heraus geholt. Bei diesem Objekt wäre mehr aber zweifelsohne besser gewesen. Leo I ist doch recht schwach. Zum Ende der etwa dreistündigen Session neigte sich der Löwe im Westen schon in den aufgehellten "Siff" der Lichtglocke von Ulm / Neu-Ulm.

GM2000 HPS Montierung auf Baader Stahlsäule

GM2000 HPS Montierung auf Baader Stahlsäule

Bei Filterwechsel prüfe ich stets mit Hilfe einer Cuzdi-Maske den Fokus, der bei absinkender Nachttemperatur meist "wegläuft". Das benötigt natürlich auch immer etwas Zeit. Diesmal war mit dem hellen Regulus aber ein idealer Fokusstern direkt im Bildfeld.

Ich hatte mit dem Rotfilter angefangen und 300 Sek. belichtet. Nach Sichten der ersten gewonnenen Aufnahmen habe ich dann auf 480 Sek. erhöht. Bei den Rot- und den Grünaufnahmen konnte man die feinen Sterne von Leo I leidlich erkennen. Bei den Blauaufnahmen war hingegen so gut wie nichts von der Zwerggalaxie zu sehen. Ich habe bei der Ausarbeitung zum "Aufpeppen" dann eine künstliche Luminanz nur aus den Rot- und Grünaufnahmen erstellt.

Die Aufnahmen sind mit Dithern, aber ohne Guiding gemacht worden.

Regulus ist ein Mehrfachsternsystem: Regulus B, mag 8.2, und Regulus C, mag 13.2, Abstand 2,5". Dieser "Doppelbegleiter" steht in 175" Abstand von Regulus. Man sieht ihn auf dem Foto rechts oberhalb Regulus bei etwa 2 h. Bei 3 h ist ein weiterer Stern zu erkennen, mag. 12.1, der oft als "Regulus D" bezeichnet wird, aber tatsächlich ein Hintergrundstern ist. Der Hauptstern hat noch einen spektroskopischen Begleiter, der erst sehr spät entdeckt wurde.

Regulus kommt auf solchen Aufnahmen gnadenlos überbelichtet. Man könnte ihn in der Bildbearbeitung natürlich kleiner machen, was ich ein wenig auch getan habe. Aber eben nur ein wenig. Ich finde, so ist das Bild "ehrlicher".

Soweit also meine neueste Beobachtung.

Viele Grüße

Helmut Heinicke

Ein Gedanke zu „Zwerggalaxie "Leo I" - Neueste Beobachtung von Helmut Heinicke“

  • Viggo Thorsbro Pedersen
    Viggo Thorsbro Pedersen 21. April 2020 um 22:29

    Hallo Helmut.
    Sehr schönes Bild finde ich. Selber hätte ich nicht geglaubt, das man mit relativ bescheideine instrumente und expo zeit doch so eine "eindruck" machen könte. Ich freu mich.

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