Vom Fundstück zur modernen Sternwarte: Die Geschichte meiner "antiken" Baader-Kuppel

Anmerkung von Baader Planetarium: Nachfolgender Beitrag wurde uns freundlicherweise von Christoph B. zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.


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Vorgeschichte

Meine Reise zur Errichtung einer eigenen Sternwarte begann mit einem außergewöhnlichen Erbstück, einer über 30 Jahre alten Baader-Sternwartenkuppel, die ihre eigene, bemerkenswerte Geschichte mit sich brachte. Diese war jahrzehntelang im Besitz von Herrn Ernst Blättler (✝), welcher sie vor einigen Jahren seinem Verein, der Astronomischen Gesellschaft Zürcher Oberland (AGZO), gespendet hat. Bis ins hohe Alter war er noch aktiv und hatte sich als leidenschaftlicher Demonstrator verdient gemacht. Vor ein paar Jahren kam dann im Verein jedoch der Wunsch auf, stattdessen eine moderne Kuppel nach dem neuesten Stand der Technik zu betreiben, welche von den Vereinsmitgliedern Remote betrieben werden kann.

Der Verein hat daher eine neue 2.1m Spaltkuppel bestellt, welche im September 2020 installiert wurde. Das Erbstück, die über 30 Jahre alte manuell betriebene Kuppel, hat mir die AGZO freundlicherweise überlassen. Diese Kuppel, ein Zeugnis handwerklicher Kunst und langlebiger Qualität, kam somit in meine Hände und bot mir die einzigartige Gelegenheit, sie in eine funktionsfähige, moderne Sternwarte umzuwandeln – ein Projekt, das nicht nur meine Leidenschaft für die Astronomie widerspiegelte, sondern auch eine tiefe Wertschätzung für das astronomische Erbe mit sich brachte.

Die Herausforderung bestand darin, diese historische Kuppel, die jahrzehntelang den Himmel beobachtet hatte, zu restaurieren und sie mit moderner Technik auszustatten. Es war eine Reise voller technischer, physischer und emotionaler Herausforderungen. Diese Kuppel hatte eine eigene Persönlichkeit – geprägt von ihrer Vergangenheit, ihrem Alter und den vielen Geschichten, die sie im Laufe der Jahre gesammelt hatte. Mein Ziel war es, ihr nicht nur ein neues Leben einzuhauchen, sondern sie auch zu einem modernen Observatorium umzugestalten, das die neuesten astronomischen Technologien nutzen konnte.

Instandsetzung der klassischen Baader-Kuppel

Restaurierung und Aufbau

Die Restaurierung der Kuppel war eine Mischung aus Herausforderung und Leidenschaft. Dank des Know-Hows und der Materialien aus der Bootswerft meines Schwagers konnte ich der Kuppel neues Leben einhauchen. Die Qualität war beeindruckend, und nach dem Ersetzen der Gummiteile und Rollen sowie Reparaturen am Gelcoat strahlte die Kuppel wie neu.

Im Mai 2023 konnte ich endlich mit dem Aufbau der Kuppel beginnen. Die vorherigen Monate waren von Dauerregen geprägt, was den Aushub, die Schalung und die Bewehrungsarbeiten verlangsamte. Ich wählte selbstnivellierenden Pumpbeton für das Fundament, da eine direkte Zufahrt für einen herkömmlichen Betonmischer unmöglich war. Innerhalb von 10 Minuten wurden die knapp 2,5 Kubikmeter Beton eingefüllt und nach zwei Wochen konnte ich ausschalen. Dann Anfang Juni war es endlich soweit und die Kuppel und Montierung wurde in einem Tag aufgebaut.

Die technischen Herausforderungen

Ein wichtiger Schritt war, die genaue Position der Säule zu bestimmen. Ich hatte das gesamte Equipment zuvor im Trockenen in der Remise aufgebaut, um die Positionierung zu testen. Nachdem Herr Risch mich wegen den Abmessungen des großen Refraktors in einem 2.1m Kuppel gewarnt hatte, wollte ich nichts dem Zufall überlassen. Ein paar Tage nach dem Aufbau der Kuppel wurde dann die Montierung und schließlich das Teleskop eingebaut und beides in Betrieb genommen. Mehr dazu folgt weiter unten.

Wetterbeständigkeit und Praxistest

Die Kuppel wurde bereits extremen Wetterbedingungen ausgesetzt, darunter eine Hitzewelle mit über 36 Grad und zwei Gewitterstürme, einer davon mit 120 km/h Wind und starkem Regen. Die Kuppel hielt stand, und dank der freundlicherweise von Baader Planetarium kostenlos zugesandten Ersatzdichtung blieb das Innere trocken.

Wie bereits gesagt bin ich begeistert, wie gut sich die Kuppel renovieren liess. Zwar ware es viel Arbeit wie oben erwähnt, aber ohne Substanz des Objekts nützt einem die beste Polier Maschine nichts. Und die Substanz der Kuppel ist 1. Klasse.

Modernste Instrumente

Inbetriebnahme der Montierung

Die Montierung, eine 10Micron GM3000 HPS, war ein weiterer entscheidender Faktor. Die Inbetriebnahme verlief überraschend einfach:

Ich begann mit einem kurzen Drift Alignment so wie ich das bisher gewohnt war, und sah da bereits dass es keinen PE gibt. Danach führte Ich ein 10-Punkte-Alignement mit Mount Wizzard 4 durch. Nach der Justierung von Polaris und einem generierten 60-Punkte-Modell war ich von der Präzision und der Performance der Montierung beeindruckt. Die Bilder bei Langzeitbelichtungen, wie z.B. 15 Minuten bei M101, waren optisch und messtechnisch einwandfrei – nur beim Drehen der Kuppel geriet ich ins Schwitzen.

Erste astronomische Erfolge

Nach diesen Ergebnissen am ersten Abend war ich überwältigt. Die Montierung ermöglicht absolut präzise und klare Aufnahmen, Comissioning in einer Nacht erfolgreich abgeschlossen! Besonders beeindruckend waren die Ergebnisse bei unguided Langzeitbelichtungen.

In den darauffolgenden Wochen bin ich dann gleich beim Crescent Nebula geblieben und konnte je 7h Ha und OIII mit 10min Subs sammeln, sowie je 14*3min RGB für die Sterne. Alles un-guided! Nachfolgend zeige ich das erste fertig prozessierte Bild, für ein First Light bin ich schon mal extrem zufrieden.

NGC 6888 – 7h Ha und OIII mit 10min subs und 14x3min RGB

Abschlussbemerkung

Wie Sie sehen bin ich bis jetzt begeistert. Die 30 Jahre alte Kuppel ist genial und erstrahlt nun wieder in vollem Glanz – die Montierung alleine könnte jedoch auch schon zum Hobby werden. Der nächste Projektschritt wird die automatische Drehung der Kuppel sein, damit ich nicht alle 15 min drehen muss – dies ist aktuell aber erst in der Planungsphase.

Es freut mich außerordentlich, dass diese Kuppel mit einer langen Geschichte bei mir noch für viele Jahre gute Dienste tun wird.

Danksagung

Ich danke der AGZO für das großzügige Überlassen der Kuppel und vor allem auch Baader Planetarium für ihre Unterstützung und die bereitgestellte Dichtung. Ohne ihre Produkte und ihren Service hätte ich dieses Projekt nicht verwirklichen können. Mein Traum von einer eigenen Sternwarte wurde Wirklichkeit.

Christoph B., November 2023

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