SUW 05/20 Poster: CDK 14 und Sturmvogel - Es kann so einfach sein

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DIE STORY: Sturmvogel und Planewave CDK14 – Es kann so einfach sein

Der "Sturmvogel" NGC 6960 ist ein Überrest einer Supernovaexplosion, die sich vor 8000 bis 10.000 Jahren ereignete. hat. Mit einer Länge von über einem Grad ist er riesig – und der Schleiernebel, zu dem der Sturmvogel gehört, ist mit rund 2° sogar noch größer! Für dieses Bild wurden Aufnahmen aus zwei Nächten kombiniert, wobei Subframes mit Seeingwerten über 2,05" FWHM nicht verwertet wurden.

Nun muss ich gleich zu Beginn meine Vorliebe für lange Brennweiten gestehen. Soweit es die Bedingungen zulassen, will ich Details aus den Bildern herauskitzeln – und da ich einen Standort habe, der sich oft durch gutes bis sehr gutes Seeing auszeichnet, kann ich diese (Vor-)Liebe ausleben. Freunde von mir konnten das Seeing messen und bestätigen, dass es oft besser ist als angenommen! Nur: solange es nicht gemessen wird, weiß man es nicht.

Auch deshalb bin ich ein Fan des C14 EdgeHD. Im Lauf von zwei Jahren und vielen klaren Nächten habe ich meinen Workflow so weit optimiert, dass mit dem Gerät bei fast vier Meter Brennweite (bzw. 2737 mm mit dem 0,7x Reducer) viele meiner Bilder entstanden (siehe meinen Facebook-Kanal).

Ein sorgenfreies System ermöglicht von Anfang an scharfe Bilder

Warum also jetzt ein Planewave CDK14? Dank Johannes Baader durfte ich ein Gerät testen, da meine Aufnahmen mit dem C14 EdgeHD überzeugt hatten. So eine Brennweite will ja auch beherrscht werden, einfach auspacken und loslegen funktioniert normalerweise nicht. Außerdem wollte ich schon immer mal eine absolute Highend Performance erleben – am liebsten gleich "out of the Box", doch ist das außerhalb meines Budgets. Würde es mit dem geliehenen Planewave CDK14 Astrografen auch so eine Lernkurve geben?

Da ich meine 10Micron GM 2000 HPS Montierung recht gut beherrsche, ist eine Auflösung von 0,39“ pro Pixel Auflösung keine wilde Angelegenheit. Bis 900 Sekunden kann ich bei dieser Auflösung problemlos belichten. Um einen Vergleich mit meinen älteren Aufnahmen zu haben, entschied ich mich als Kamera für die bewährte Nikon D810A. Die 36,3MP (4,8µ Pixel) und Vollformat würden eine echte Ansage sein.

Das CDK 14 hat 2563 mm Brennweite und eine Lichtstärke von f/7.2. So war mir schnell klar, ich würde 480 Sekunden bei ISO800 belichten. Diese Kombination von Belichtungszeit und ISO passt bezüglich Rauschen und Wärme ausgezeichnet für einen typischen Sommer in Österreich, wo ich die ersten Aufnahmen plante.

Also machen wir das Teleskop einsatzbereit. Amateurastronomen haben da ja eine recht hohe Schmerzschwelle. Irgendwas fehlt doch immer, und dass die selbe Bezeichnung völlig unterschiedliche Gewinde bezeichnen kann, ist nichts neues. Wer länger dabei ist weiß, dass kaum etwas "out of the box" funktioniert, selbst wenn man sich vom Händler ausführlich hat beraten lassen und alle Teile da sind. Aber was gehört wo hin, und welche Einstellungen sind vorzunehmen? An welcher Stellschraube muss ich drehen, und führt ein Teil ungewollte Durchbiegung ein, weil es nicht steif genug ist? Was würde mich also bei einem Profi-System erwarten, das ja noch mehr Freiheitsgrade bietet?

Stabil: EFA-Motorfokussierer und M68-System

Schauen wir uns also das PlaneWave CDK14 an: das Auspacken und Anbringen aller Teile war durchdacht und gut vorbereitet. Das EFA-Kit (der Motorfokussierer oder Electronical Focuser Assembly) war bereits montiert, ich musste nur noch die Kontrolleinheit anschrauben. Die Reduktion auf das M68-System war ebenfalls schnell angebracht, sodass auch schweres Zubehör nicht verkippen kann – keine unterdimensionierte Mechanik, die sich unter dem Eigengewicht verwindet oder verkippt. Die M68-Adaption für den idealen Kameraabstand rechnete ich so, dass der Auszug für die Nikon nur 9 mm ausgefahren werden musste. Für meine anderen Kameras, die FLI ML16200 und CFW 2–7, reichen sogar nur 3,5 mm.

Den Delta-T-Heater brachte ich auf der gegenüberliegenden Seite an, damit ich in der DEC-Achse eine gute Balance erreichte. Dieses kleine Kästchen macht zuverlässig das, was sonst z.B. eine lange Taukappe übernehmen würde: Es steuert zuverlässig das integrierte Tauschutzsystem von Haupt- und Fangspiegel und passt deren Temperatur an die Umgebung an. Soviel zu Auskühlzeiten und zugetauten Optiken! Nach kurzer Verkabelung von EFA und Delta-T konnte es schon losgehen – ohne zusätzliche Reducer, Bildfeldebner oder Komakorrektoren, und ohne Neujustierung der Optik! Den Streulichtschutz aus Spandex (die "Streulichtsocke" für die Gitterstäbe) habe ich mit den Spannzügen (Naht) genau oben in der Mitte der Optik angebracht. Zusätzlich hatte ich an der oberen 3" Schiene ein 1kg Laufgewicht angebracht, damit ich mit der 10Micron wie gewohnt ohne Guiding arbeiten konnte, perfekt wie ich es bisher kannte.

Das final bearbeitete Summenbild: Sturmvogel (NGC6960), © Christoph Kaltseis

Bleibt nur noch der Druck auf den Auslöser. Und jetzt muss ich nichts mehr schreiben, ich kann nur sagen: Es macht extrem viel Spaß, mit dem CDK14 Bilder aufzunehmen. Der Sturmvogel NGC 6960 war gleich das zweite Bild, das ich mit dem CDK machte. Mit der Nikon D810A erreiche ich 0,39“ Auflösung pro Pixel, was unguided sehr gut funktioniert hat. Die ganze Optik und alle Zubehörteile funktionieren perfekt, die Stabilität ist 1A.

Das brachte dann in drei Nächten genug Subframes, die ich zu einem Bild verrechnete. Aber genug geschrieben, ich denke das Bild beantwortet alle Fragen! Was dazu auffällt: Es gibt bei 480 Sekunden Belichtungszeit und ISO 800 überhaupt keine Reflexe, obwohl der Stern 4,2mag hat! Eine superfeine Abbildung übers gesamte Feld, ohne Farbsäume. Die D810A mit 36,3MP und 4,8µ kleinen Pixel mit Vollformat hat zur Zeit ihrer Vorstellung Maßstäbe gesetzt. Und die GM 2000 HPS lief mit dem rund 22kg schweren Tubus eben wie eine 10Micron – 480s bei 0,39“ Auflösung, wieder und wieder und wieder.

Mit dem Planewave CDK14 war es so beeindruckend einfach, dass ich spontan in der Nacht noch eine Nachricht an meine Astronomie-Kollegen schicken musste – mit den Worten "DAS IST IRRE"! Warum? Nun ja, Sie sehen ja selbst, was ich sofort aus dem CDK 14 heraus bekommen habe - was will man mehr? Geht überhaupt noch mehr?

März 2020, Christoph Kaltseis
www.cedic.at

Alle PlaneWave Teleskope und viele weiteren Informationen entdecken auf:www.planewave.eu


DAS EQUIPMENT: Perfekt aufeinander abgestimmt

Das Zusammenspiel aus großer Öffnung und langer Brennweite ist optimal, um Details aus den Motiven herauszuarbeiten. Damit das gelingt, muss alles perfekt zusammenspielen – kein Teil darf nachgeben. Daher hat diese Kombination bereits in der ersten Nacht ein Ergebnis geliefert, das sich sehen lassen kann: Die Aufnahme des Sturmvogels ist entstanden, ohne dass der Aufbau noch optimiert werden musste. Die Nikon D810A kam zum Einsatz, um die Ergebnisse mit einem älteren Teleskopsetup vergleichen zu können – mit einer gekühlten Astrokamera wäre noch mehr möglich.

PlaneWave CDK14 Astrograph f/7,2

PlaneWave CDK 14 Astrograph f/7,2

Der 14" (356 mm) Dall Kirkham Cassegrain von Planewave enthält eine fest verbaute optische Korrektureinheit, die dem Teleskop bei einer Brennweite von 2563 mm ein völlig planes Bildfeld von 70 mm Durchmesser ohne Koma und ohne Astigmatismus über das gesamte Gesichtsfeld verschafft. Optional sind der Hedrick-Okularauszug, der EFA-Motorfokussierer und der Delta-T-Heater erhältlich. Der Quarzglasspiegel (Fused Silica) vermeidet die Temperaturinstabilität kristalliner Quarze.

10Micron GM2000 HPS II – Ultraport

10 Micron GM 2000 HPS II – Ultraport

Die 33 kg schweren GM 2000-Montierungen tragen bis zu 50 kg Nutzlast – fotografisch, wohlgemerkt! Die Ultraport-Version lässt sich dabei in zwei Teile zerlegen und so noch gut transportieren. Die Achsencoder und der Zahnriemenantrieb führen ohne Autoguider, nur mit einem exakten Pointing-Modell, selbst lang belichtete Aufnahmen klaglos nach – und das mit einer Genauigkeit von ca. 1"/15 Minuten (Peak-to-Peak).

NIKON D810A mit Baader M68-System

NIKON D810A mit Baader M68-System

Verkippung ist der Feind eines jeden gelungenen Astrofotos. Das CDK 14 setzt daher auf das große
M68-Anschlusssystem, mit dem jegliches Zubehör fest an seiner Position bleibt. Das ist für eine relativ leichte DSLR wie die Nikon D810A, die mit ihrer großen Auflösung und dem Vollformatsensor jeden Fehler offenbart, genauso wichtig wie für eine schwere CCD-Kamera mit Filterrad. Das Baader M68-Telekompendium ermöglicht die Adaption jeglichen Zubehörs.


Über den Autor

Christoph Kaltseis

Christoph Kaltseis ist nicht nur Adobe Photoshop Spezialist und als Nikon Professional für Nikon unterwegs, sondern auch ein erfahrener Astrofotograf. Er gehört zu den Gründern der Central European DeepSky Imaging Conference (www.cedic.at), die seit 2009 regelmäßig alle zwei Jahre in Linz stattfindet.

Neben seiner diversen Projekten hat Christoph mit APF-R (Absolute Point of Focus) in den letzten Jahren einen neuartigen Bildschärfungsprozess entwickelt. Die Prozedur ist dabei nicht immer gleich, sondern wird auf die Kombination von Objektiv und Kamera angepasst. Daher war eine flexible Methode nötig, um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

In seiner Karriere als Astrofotograf hat Christoph auch bereits einige APODs (NASA Astronomy Picture of the Day) erstellt, z.B. die mit APF-R bearbeitete Aufnahme der M33 Galaxie oder das Herz des Orionnebels (M42).

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