Neue Instrumente für Sternwarte „Bruno H. Bürgel“ Sohland

Die  „Bruno H. Bürgel“ Sternwarte in Sohland a.d.Spree (Landkreis Bautzen) wurde von zwei Amateurastronomen in den 1950er Jahren erbaut. Sie ist nach einem „Arbeiter-Astronomen“ benannt, der schon vor knapp hundert Jahren bewiesen hat, dass es nicht unbedingt ein Studium braucht, um wissenschaftlich arbeiten und dabei Erfolge erzielen zu können. Die Sternwarte wird auch heute noch von einem Verein mit engagierten Hobbyastronomen geführt, die ihre größte Freude daran haben, in Führungen Ihre Leidenschaft für die Astronomie an Groß und Klein weiterzugeben.  Auch die persönliche, praktische Ausübung vor allem der Astrofotografie soll unter dem dunklen Himmel der Lausitz nicht zu kurz kommen. Deshalb bestand schon lange der Wunsch, extra dafür ein modernes Teleskop-Setup anzuschaffen, das sich auch per Internet und aus dem Hörsaal der Sternwarte steuern lässt.


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Die Sternwarte hat drei Kuppeln, eine davon ist neueren Datums und sollte ein Remote Teleskop beherbergen. Im Februar 2022 erreichte uns eine Anfrage, um dafür die optimale Ausstattung zu konfigurieren und anzubieten. Gewünscht wurde ein Teleskop von Alluna mit passender Montierung, Kamera und Zubehör. Auf den ersten Blick hört sich das einfach an, ein Teleskop, eine Montierung, eine Kamera, deshalb wird oft unterschätzt, dass viele Details vorab einer solchen Sternwarten Einrichtung zu bedenken und zu beachten sind. Zum Beispiel Platzierung und Höhe der Säule und der Montierung, sowie die genauen Platzbedürfnisse, damit sich die Instrumente in der Kuppel gefahrlos bewegen lassen. Elektronische, mechanische und Softwarekomponenten müssen mit ihren Anschlüssen und Schnittstellen bedacht werden, und vieles mehr, damit künftig alles zusammen reibungslos, dauerhaft und sicher funktioniert. Unsere Berater und die Montageteams greifen bei ihren Vorschlägen und Angeboten auf viele Jahre persönlicher Erfahrungen zurück und klären mit dem Kunden im Vorfeld das alles und noch einiges mehr ab. Erst dann wird ein Plan gemacht und ein Angebot erstellt. Dieses Angebot wurde bei den Sponsoren der Sternwarte eingereicht und wir haben uns sehr gefreut, als es im Juni 2022 angenommen wurde.

Vor der ersten Beobachtung mit dem neuen Remote-Teleskop hieß es leider erst einmal: Warten. Denn das gewünschte High-End Equipment war nicht ab Lager lieferbar.  Insbesondere das Alluna Teleskop hatte wegen begrenzter Produktionskapazität und hoher Nachfrage eine längere Vorlaufzeit, sodass ein Montagetermin erst im September 2023 realisiert werden konnte. Doch dann ging alles recht schnell. Sobald die Geräte hier bei uns eingetroffen sind, hat unser Montageteam eine sogenannte „Integration“ durchgeführt. Dabei werden alle Komponenten, d.h. Montierung, Teleskop, Kamera und Computer zusammengebaut, angeschlossen und direkt unter dem Nachthimmel ausgetestet. Erst wenn alles einwandfrei funktioniert, wird die komplette Anlage transportfertig eingepackt und zum Kunden verschickt oder von uns per LKW angeliefert, wie in diesem Fall. Dank der perfekten Vorbereitung von Seiten der Sternwarte und unseres Montageteams dauerte es nur einen Tag dann stand die GM 3000 Montierung mit einem Alluna 16“ RC-Astrographen fertig aufgebaut und verkabelt mit unserem vorkonfigurierten „Observatory Management System“ (OMS). Das ist ein vorkonfigurierter, hochleistungsfähiger Industriecomputer mit allen notwendigen Netzwerk-Komponenten (Switches, Anschlüssen), allesamt in Industriestandard ausgeführt, sowie mitsamt allen notwendigen Stromversorgungen sowie Sicherungen, in einem Edelstahlschrank untergebracht. Eine solche Lösung ist zwar teurer als ein Laptop oder ein PC aus dem Elektronikhandel, aber ihren Preis durch die Zukunftssicherheit wert, allein schon durch die höhere Zuverlässigkeit und Langlebigkeit.

Da die gesamte Software des OMS schon während der Werksintegration installiert und konfiguriert, und mit der kompletten Anlage getestet wurde, war es ein Leichtes die Sternwarte schon in der ersten Nacht in Betrieb zu nehmen. Ein Polar-Alignment der GM 3000 mit nachfolgendem Multi-Sterne Alignment war in knapp einer Stunde geschafft, danach kam der erste Bewährungstest: Eine mehrminütige Belichtung mit der QHY 600 Kamera, ohne Guiding und ohne Nachführfehler! Durch diesen Erfolg angespornt wurde sogleich das erste Deep Sky Objekt per Fernsteuerung aus dem Hörsaal angefahren und belichtet, ebenfalls erfolgreich. Mehrere weitere Tests und Belichtungen zeigten die Leistungsfähigkeit dieser neuen Anlage.

Die Sternwarte Sohland ist mit den modernen Geräten nun bereit für die Zukunft, in der sicherlich mit einem Besucheransturm und neuen Horizonten in der Astrofotografie zu rechnen ist. Denn im Februar 2022 wurde entschieden das ein neues Großforschungszentrum, das „Deutsche Forschungszentrum für Astrophysik“ ganz in der Nähe zu etablieren. Ebenso ist derzeit in Diskussion das nächste, große Gravitationswellenteleskop („Einstein Teleskop“) in der Lausitz zu bauen. Die Region wird damit ein international wichtiger Standort der astronomischen Forschung – mit der kleinen, aber feinen Amateursternwarte Sohland mittendrin.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Michael Risch, mit Unterstützung der Sternwarte Sohland.

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Über den Autor: Michael Risch

Michael Risch

Seit er als kleines Kind die letzte Mondlandung gesehen hat, interessiert sich Michael für Astronomie und Raumfahrt.1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes und hat als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er zahlreiche Ideen und Berichte zu astronomischen- und Raumfahrtthemen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert. In der Praxis hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Als langjähriger wissenschaftlicher Lektor hat er "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für Observatorien, Kuppeln, High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.


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