Moderne trifft Antike: 3,5M AllSky-Kuppel in einem griechischen Bergdorf

Unsere letzte Kuppelmontage im Jahr 2019 fand in der zweiten Dezemberwoche in Griechenland statt. Da diese Montage einen besonderen Flair sowie Pleiten, Pech und Pannen hatte, möchten wir Ihnen nachfolgenden Bericht der Montage nicht vorenthalten.

Nachdem die Kuppel einige Zeit benutzt wurde, werden wir den Kunden auch fragen, ob er zustimmt dass seine Kuppel auf unserer Sternwarten-Weltkarte erscheint.

Die Berge der griechischen Halbinsel Peloponnes eignen sich hervorragend für astronomische Beobachtungen. Hier hat ein Amateurastronom einen idealen Platz gefunden, um seinen Traum zu verwirklichen. Die Kuppel sitzt auf einem renovierten Haus aus dem 19. Jahrhundert in einem alten, einsamen Bergdorf auf fast 900m Höhe mit freier Sicht übers Meer. Allerdings war die Installation der Anlage aufgrund der Lage und einiger äußerer Umstände nicht ganz einfach.

Unser Team wartete auf den LKW der die Kuppel anliefert, als sich plötzlich die Spedition meldete, dass es wg. Unfall eine kleine Verzögerung gibt. Statt um 8 sollte der LKW ca. um 10 Uhr da sein. Leider sagte die Spedition nicht an welchem Tag. Erst 24 Stunden später war die Kuppel vor Ort, sodass der zeitliche Spielraum für die Montage stark eingeschränkt wurde. Verwundert sahen wir, dass ein roter LKW eintraf statt dem grauen den wir beladen hatten und unsere Angst war groß, dass beim Umladen durch die Speditionsmitarbeiter die wertvollen Kuppelteile in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnten. Wir hatten Glück, außer einigen Kratzern die sich herauspolieren ließen war alles in Ordnung.

Leider war der rote LKW viel grösser als der eigentlich für die Montage vereinbarte LKW - so dass er nicht durch die schmalen Gassen der alten Dörfer gepasst hat. Deshalb wurde schnell ein kleinerer Pritschenwagen mit Kran organisiert. Alles wurde umgeladen und die Geräte in zwei Fuhren zum Standort gebracht. Dort angekommen fing es an zu regnen. Wir dachten wir sind schlau, und haben uns unter den Sandplatz eine Plastikplane gelegt, sowie eine weitere darüber befestigt um im Trockenen montieren zu können. Doch das Wetter war schlauer. Gewitterböen rissen die Plane über uns weg und es regnete plötzlich in Strömen. Wir konnten die Plane nur halbwegs wieder befestigen. Während wir auf diese Weise geduscht wurden, und eine Schlammpackung an den Füßen genossen, bekamen wir immer wieder Besuch von Schafen und Ziegen die sichtlich verwundert waren über die merkwürdigen Aktivitäten in ihrem Reich. Nach 8 Stunden konnte die Kuppel endlich geschlossen werden - und es hörte pünktlich auf zu regnen.

Am nächsten Tag erwartete uns ein atemberaubender Ausblick über das Meer in dem sich Sonnenschein widerspiegelte. Auf der anderen Seite die inzwischen schneebedeckten und teils nebelverhangenen Berge. Unser Kunde hat hier tatsächlich ein Paradies gefunden, man ist hier eins mit der Natur. Leider übertreibt es die Natur auch manchmal, so hatte das Gewitter die Dachterasse, wo die Kuppel aufgestellt wurde, überflutet und wir betätigten uns zunächst als Putzkolonne. Um 9h sollte die Kuppel mit einem  Kran gehoben werden. Um 8 Uhr kam der Anruf dass der Kran defekt ist. Was sonst.

Damit wäre normalerweise die Montage an einem so abgelegenen Ort in ernsthafter Gefahr oder gar beendet gewesen. Dass so etwas passieren kann hatte sich unser Kunde im Vorfeld wohl schon gedacht und dafür gesorgt, dass wir "im Fall der Fälle" mit George, einem gut vernetzten Bauunternehmer, jederzeit tatkräftige Hilfe hatten. Er konnte einen LKW mit Kran organisieren, der um 11 Uhr schließlich eintraf. Bei der Fahrt durch die engen Häuserschluchten des Dorfes waren teils nur noch Zentimeter Spielraum zu beiden Seiten. Ein Baum in der Einfahrt des Grundstückes erwies sich dann als unüberwindbares Hindernis. Zum Glück hatte der Kranfahrer eine Kettensäge dabei – wir betätigten uns als Forstarbeiter. Schon bald konnte der Kran seine Fahrt fortsetzen.

Kurz darauf wurde bei schönstem Sonnenschein die Kuppel gehoben – und der Strom kam nur noch sehr reduziert aus der Steckdose. Die freihängenden Stromleitungen hatten wohl unter dem Gewitter am Vortag gelitten. Ein Generator wurde herangeschafft (George...) damit Säule und Kuppel fest auf dem Gebäude verbohrt werden konnten. Derweil freuten sich Schafe und Ziegen über die frischen Blätter der abgetrennten Äste des Einfahrts-Hindernisses.

Auch wenn man es schon oft gesehen hat, es ist immer wieder schön wenn eine Kuppel auf ein Dach "schwebt", besonders vor einer solchen Kulisse. Wundersamer Weise lief das Heben und Montieren der Kuppel absolut glatt. Es fiel nichts aus und es ging nichts kaputt. Auch Teleskop und Montierung konnten problemlos installiert werden. Dann die Funktionsprüfung der Kuppel – nichts bewegte sich. Es hat etwas gedauert bis uns klar wurde, dass nur die neue 9V Batterie im Handtaster verstorben war, warum auch immer. Es ist noch nie zuvor passiert. Zum Glück hatten wir einen äußerst netten, verständnisvollen Kunden der die Batterie besorgte, was eine Fahrt von gut 40min hin- und zurück zur nächsten Stadt bedeutete. Das war wohl ein letzter Gruß vom Pech- und Pannenteufel, der uns zwei Tage lang fest im Nacken saß.

Das Gute daran: Bei der nächsten Montage wird uns sicherlich nichts mehr aus der Ruhe bringen nach dieser Erfahrung.


Über den Autor

Michael Risch

Seit seinem 6. Lebensjahr interessiert sich Michael Risch für Astronomie, 1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes. Dort hat er als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er viele Ideen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert und als lanjähriger wissenschaftlicher Lektor viele "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Astronomisch hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf vielen Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird unter anderem im Rahmen der Celestron Distribution im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.

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