Komet NEOWISE - jetzt sichtbar

 
 

Update 09.07.2020: Hier geht's zur neuen Kometen-Galerie mit etlichen Bildern und Videos

 
 

Komet NEOWISE ©Michael Risch

Aufgenommen in Mammendorf, Brennweite: 300mm Tele, BLZ bis zu 1,3 sek.,Canon 6D, 1600 ISO, © Michael Risch

UPDATE 08.07.2020: Die neuesten Aufnahmen des Kometen NEOWISE

In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli bot sich über ganz Mitteleuropa die besondere Gelegenheit zwei seltene Himmelsphänomene gleichzeitig zu sehen. Gegen 3 Uhr kletterte Komet NEOWISE über den Horizont, kurz danach wurden es hinter der dunklen Wolkenbank knapp unter dem Kometen, plötzlich deutlich heller.

Wie sich herausstellte begann die Sonne Leuchtende Nachtwolken in 80km Höhe (also 4x so hoch wie normale Wolken) anzustrahlen, die aus vereistem Meteorstaub bestehen. Diese seltenen Wolken wurden immer dominanter und überdeckten schließlich den Kometen bis er gegen 4 Uhr kaum noch zu sehen war.

NEOWISE mit NLC über Mammendorf:

Die NLC bewegten sich in Richtung Zenith, die dunkle Wolkenbank nach Süd und der Komet folgte seiner Bahn. Es war deshalb schwierig ein Foto hinzubekommen auf dem alles scharf ist, dazu braucht es lichtstarke Optiken und kurze BLZ. Bei der Weitwinkelaufnahme sieht man unten rechts den Bahnhof Mammendorf, darüber die Venus. Das gibt einen guten Vergleich wie extrem hell die NLC waren.

Komet NEOWISE ©Michael Risch

Aufgenommen in Mammendorf, Brennweite 120mm, BLZ 0,8 sek.,Canon 6D, 1600, ISO 1600, © Michael Risch

Komet NEOWISE ©Michael Risch

Aufgenommen in Mammendorf, Brennweite 24mm Weitwinkel, BLZ: 0,8 sek.,Canon 6D, ISO 1600, © Michael Risch


Weitere beeindruckende Bilder, die wir erhalten haben

Komet NEOWISE, ©Jörg Steffan

Gemeinde Dietmannsried/Allgäu (ca. 700 m ü. M.) 03:44 (MESZ) mit Canon EOS-1Dx + Canon EF 4/300 mm L IS USM, BLZ: 1 sec., f 5.6, ISO 1600, keine Nachführung, © Jörg Steffan

Sarleinsbach,OÖ, 3h05, BLZ: 20sec, ISO1600, Volles Feld aufgenommen mit Nikon Z6 bei 300mm, © Christoph Kaltseis

©Christoph Kaltseis

Sarleinsbach,OÖ, 3h 19min 54sec CET aufgenommen mit Nikon Z6 + Vixen FL55SS + FL 312mm f5.7, BLZ: 10sec bei ISO1600, Software: Capture One 20, © Christoph Kaltseis



Nachdem die beiden letzten vielversprechenden Kometen bei Sonnennähe "zerbröselt" sind (u.a. Komet ATLAS C/2019 Y4, wir berichteten), haben wir uns nicht getraut, im Vorfeld für den Komet C/2020 F3 NEOWISE die Werbetrommel zu rühren. Doch dieser hält nun, was die anderen versprochen haben: endlich gibt es wieder einen Kometen, der mit bloßem Auge zu sehen ist!

Komet NEOWISE Nahaufnahme
© Michael Jäger

NEOWISE hat am Wochenende seine näheste Annäherung an die Sonne (Perihel) hinter sich gebracht, dabei wurde der Kern stark erwärmt, das Eis auf der Oberfläche ist verdampft und hat Staub mit sich gerissen. Deshalb hat NEOWISE zur Zeit einen schönen Schweif von etwa einem Monddurchmesser am Himmel, der in einem Fernglas wunderbar zu sehen ist. Astrofotografen können sogar schon mit Teleobjektiven und erst recht mit Teleskopen Details im Inneren von Koma und Schweif abbilden.

Komet NEOWISE Panorama
© Dr. Sebastian Voltmer
Instagram: @sebastianvoltmer
Web: www.astrophoto.de

Unserem Kunden Dr. Sebastian Voltmer ist am Morgen des 6. Juli ein besonders schönes Foto von NEOWISE in der Morgendämmerung über dem Ort Spicheren gelungen (siehe links). Umrahmt wird der Komet von sogenannten NLC´s (Leuchtende Nachtwolken), die nicht anders sind als Eiskristalle, die sich an Meteorstaub in der Hochatmosphäre gebildet haben. Und dieser Meteorstaub stammt teilweise von Kometen!

Unser Kunde Michael Jäger hat sich am 4. Juli den Kometen genauer angeschaut und mit einem Celestron RASA 11 Astrographen sowie einer QHY 600M Early Bird Kamera Strukturen in Koma und Schweif abgebildet (siehe Bild rechts).

Zur Zeit hält sich NEOWISE noch am Morgenhimmel auf, d.h. frühes Aufstehen ist angesagt wenn man ihn beobachten will. Ab ca. 4 Uhr ist er knapp über dem durch den nahenden Sonnenaufgang aufgehellten Himmel zu sehen. Das Auffinden ist denkbar einfach: Capella als einer der hellsten Sterne des nördlichen Himmels zeigt den Weg. Er ist im Nordosten sichtbar. Hat man ihn gefunden, muss man nur nach unten in Richtung Horizont schauen, ein klein wenig nach links schwenken, dort hält sich NEOWISE auf. Wenn Sie es noch genauer wissen möchten, finden Sie eine Aufsuchkarte auf TheSkyLive.com.

In den nächsten Tagen klettert der Komet höher am Morgenhimmel, und ab Mitte des Monats ist er auch am Abendhimmel zu sehen. Während er sich von der Sonne entfernt und der Erde nähert, wird er zwar größer, aber wohl auch lichtschwächer. Dennoch sollte er für einige Wochen ein schönes Objekt zumindest für die Beobachtung mit dem Fernglas sein.


Über den Autor

Michael Risch

Seit seinem 6. Lebensjahr interessiert sich Michael Risch für Astronomie, 1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes. Dort hat er als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er viele Ideen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert und als lanjähriger wissenschaftlicher Lektor viele "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Astronomisch hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf vielen Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird unter anderem im Rahmen der Celestron Distribution im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.

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