Komet Neowise einmal anders

Komet NEOWISE ist wohl der schönste Komet seit 25 Jahren auf der Nordhalbkugel der Erde.

Kometen sind Boten aus der Entstehungszeit des Sonnensystems, tiefgefrorene Überbleibsel aus der Urwolke aus der die Planeten entstanden sind. Wenn sie aus den kalten Tiefen des äußeren Sonnensystems zu uns kommen und bei Annäherung an die Sonne auftauen verbreiten sie Gas und Staub und erzeugen eine einzigartige Himmelserscheinung.

Komet NEOWISE C/2020 F3, aufgenommen mit PlaneWave CDK 12,5 f/8 auf 10Micron GM 2000 HPS Montierung. Kamera: Nikon 810 A, 17x15 sek – manuell zusammengesetzt in Pixinsight und Photoshop Aufnahme / Bearbeitung: © Christoph Kaltseis

Die meisten Astrofotografen sind verständlicherweise von dem sehr schönen Schweif des Kometen NEOWISE begeistert und versuchen ihn vor einer schönen Kulisse einzufangen. Andere konzentrieren sich nur auf den inneren Kern und die Schalenstruktur die entstehen wenn der Staub den drehenden Kometenkern verlässt. Aber es gibt bislang wenige hochauflösende Fotos der interessanten Übergangsregion zwischen Koma und Schweif, in welcher sich die beiden Schweife aus Gas und Staub auffächern. Einem Team von Baader Planetarium und Planewave Instruments, zusammen mit dem professionellen Fotografen Christoph Kaltseis ist ein solches Foto nun unter besten Bedingungen auf La Palma bei ATHOS - Centro Astronomico gelungen.

Was sieht man auf dem Komet NEOWISE Foto?

Vom Kometenkern im Inneren der Koma wird ständig Gas und Staub ausgestoßen. wenn er in Sonnennähe warm geworden ist. Dieser Kern ist nur wenige Kilometer groß, aber erzeugt so eine Leuchterscheinung, die viele Millionen Kilometer durch das Sonnensystem zieht. Er befindet sich in der Mitte der grünen vorderen Gaskugel, der sogenannten "Koma"
Das grünliche Glühen entsteht, wenn Gas vom elektrisch geladenen Sonnenwind zum Leuchten angeregt wird. Das funktioniert ähnlich wie eine Neonröhre, in welcher Gas leuchtet sobald Spannung anliegt. Die leichten Gasionen werden vom Sonnenwind gerade nach hinten weggeweht. Weil dieser Wind variabel ist, sorgt er für Verwirbelungen in den bläulichen selbstleuchtenden Gasfahnen. Die Staubteilchen hingegen sind sehr viel schwerer als die Gasatome und lassen sich vom Sonnenwind nicht so leicht davonwehen. Sie gelangen  in eine Umlaufbahn um die Sonne, deshalb ist der Staubschweif gekrümmt. Und weil Staub nicht selbst leuchtet, sondern Sonnenlicht reflektiert, ist die Farbe weiß/gelblich. Die "Streifen" im Staub entstehen, weil nicht der ganze Kern des Kometen gleichmäßig Staub absondert, sondern es gibt wechselnde Fontänen, ähnlich wie Geysire auf der Erde. Diese sind über den ganzen Kometenkern verteilt. Während sich der Kern dreht, werden immer wieder andere Oberflächenbereiche vom Sonnenlicht erwärmt, Fontänen entstehen, bilden Staubstrahlen die nach einiger Zeit wieder vergehen.

Planewave CDK 12,5 mit 10micron GM 2000 HPS Montierung auf Kometenjagd. Foto: © M. Risch

"Die Anstrengungen, die Christoph Kaltseis und Michael Risch unternommen haben, um den Kometen Neowise während seiner Reise innerhalb unseres Sonnensystems einzufangen, helfen uns, seine Eigenschaften noch besser zu verstehen", sagte Ruben Nunez, European Managing Director von PlaneWave Instruments Inc.

Die verschiedenen weltweit veröffentlichten Bilder haben viele inspiriert, und wir sind hier, um Astronomen bei Ihren Experimenten zu unterstützen, und ihnen die professionellen Werkzeuge an die Hand zu geben. Es war eine großartige Erfahrung, unsere Galaxie und andere Objekte in unserem Universum von La Palma aus zu betrachten, dank unseres Gastgebers Kai von Schauroth, Eigentümer des ATHOS Centro Astonómico.


Über den Autor

Michael Risch

Seit seinem 6. Lebensjahr interessiert sich Michael Risch für Astronomie, 1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes. Dort hat er als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er viele Ideen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert und als lanjähriger wissenschaftlicher Lektor viele "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Astronomisch hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf vielen Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird unter anderem im Rahmen der Celestron Distribution im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.

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