HALOS – ohne Vorurteile betrachtet

Halos - kein Problem!
Eine Anleitung von Andreas Bringmann, wie Halos um helle Sterne mittels Photoshop-Bildbearbeitung herausgerechnet werden können – sofern dies gewünscht ist.

In dem Moment, in dem Sie irgendeine Art von Filter in den optischen Aufbau einsetzen, der aus Ihrer spezifischen Kamera, dem passenden Flattener/Reduktor oder Komakorrektor und dem Teleskop besteht, wird er Teil dieses einzigartigen optischen Systems. Und jedes optische System ist anders, weil viele Produkte verschiedener Hersteller beteiligt sind. Alle optischen Oberflächen interagieren in gewisser Weise miteinander. Eine Möglichkeit ist, dass Beschichtungen unerwünschtes Licht zurück zum Teleskop und allen optischen Elementen vor dem Filter reflektieren.

Wenn keine andere optische Oberfläche dabei ist, die das Licht ein zweites Mal auf den Filter zurückreflektieren kann – dann ist es perfekt. Es entstehen keine Halos außer Restlichthöfen oder Streuungen, die unvermeidbar sind – je nach Filterdesign. Das ist es, was wir mit unserem Werbespruch "der Filter produziert keine Halos" auf unseren Produktseiten meinen. Ein Filter produziert selten selbst Halos, die innerhalb des Filters durch interne Reflexionen entstehen (das ist uns zwar einmal in 2015 passiert, wir haben aber alle diese Filter ausgetauscht). Denn in dem Moment, in dem sich andere Oberflächen in der Nähe des Filters befinden, ist es viel wahrscheinlicher, dass Licht von einer dieser Oberflächen reflektiert wird und dann Halos entstehen, die möglicherweise nicht zu entfernen sind.

Es gibt so viele Kombinationen von Kamera (Fenster), Bildfeldebnern, Korrektoren usw., dass es häufig vorkommt, dass in einigen unglücklichen Fällen "halofreie" Filter an der Halo-Produktion beteiligt sind – aber nicht selbst schuldig sind. Die RASA-Optik ist hier ein gutes Beispiel.

Kleine Ursache - große Wirkung Die antireflex Beschichtungen der Kamerafenster verschiedener Hersteller unterscheiden sich kaum. Hier zwei Kameras verschiedener Hersteller, die linke reflektiert stärker im grünen, die rechte eher im blauen Spektralbereich. Diese kleinen Unterschiede sind aber dafür verantwortlich das die Fotos mit der Kamera links in Verbindung mit OIII Filtern starke Halos zeigen, während mit der rechten Kamera und demselben Filter kaum wahrnehmbare Halos entstehen

Im Gegensatz zu breitbandigen RGB-Filtern reflektieren Schmalbandfilter in der Nähe der Emissionslinien viel mehr der relevanten Spektralwellenlängen. Gleichzeitig erzeugen sie einen viel dunkleren Himmelshintergrund. Daher sind sie viel stärker beteiligt, wenn Halos auftreten. Es ist auch kein Widerspruch dass billigere, weitbandigere Filter weniger Halos zeigen. Denn je enger der Filter, umso länger die BLZ, umso besser der Kontrast. Und all das erhöht die Chancen auf stärkere Halos um mehr Sterne im Feld.

Wir wissen von Kunden, dass die Fenster vor den Chips bestimmter Kameramodelle eher Halos erzeugen als andere Kameras. Und einige eher preisgünstige Flattener/Reduzierer/Korrektoren sind auch häufiger an dem Problem beteiligt. Ein drittes Problem ist der Mangel an Platz, um die Abstände der optischen Elemente nur geringfügig umzustellen – wie es bei fast allen Spiegelsystemen mit Primärfokus der Fall ist. Auch hier sind RASA und Hyperstar gute Beispiele.

Um die Quelle der Reflexionen zu finden, können Sie versuchen den Filter umzudrehen, so dass die (reflektierendere) Vorderseite nicht mehr der Lichtquelle zugewandt ist, sondern dem Kamerasensor. Es kann durch Zufall helfen, dass durch die Reflexion eines anderen Wellenlängenbereichs von der anderen Filteroberfläche gleichzeitig das Halo-Erscheinungsbild reduziert wird. Versuchen Sie dies am besten mit ungefassten Filtern. Sehr große, überlappende Lichthöfe sind Hinweise auf Reflexionen an entfernten Oberflächen. Wenn die Lichthöfe näher am Bildrand liegen und exzentrisch zum Stern sind, werden sie wahrscheinlich durch eine gewölbte Oberfläche wie eine Linse verursacht, z.B. die von einem Flattener.

C11 Hyperstar + ASI 1600 mm ohne Filter, 60s Belichtungszeit | © A. Bringmann.
Sturmvogel NGC 6960 mit dem hellen Stern Cyg52, jeweils ein einzelnes Subframe

C11 Hyperstar + ASI 1600 mm, Baader f/2 OIII Filter, 60s Belichtungszeit | © A. Bringmann

Aber: Sind Halos wirklich schrecklich? Uns fällt auf, dass es zu Zeiten der Kulimation von bestimmten Objekten wie z.B. dem Pferdekopfnebel IC 434 oder den Sturmvogel NGC 6960 besonders viele „Halo-Reklamationen“ gibt. Der Grund ist ganz einfach: es ist unmöglich, die Bildinformationen des Nebels ohne Halos zu extrahieren, wenn sich ein heller Stern im Feld befindet, der auch ohne einen Filter ein starkes Halo erzeugt.

Diese Tatsache und dieses Aussehen des Objekts wird weithin akzeptiert – und es sieht nicht schlechter aus als die Spikes auf den Fotos die mit Newton Reflektoren gewonnen werden. Manche APO Fotografen fügen sogar künstliche Spikes in ihre Fotos ein – ob das schöner ist als an einem Halo?

Von seiner 2.6M Privatsternwarte aus erstellt Herr Bringmann hervorragende Astrofotos

Selbst Fotos von professionellen Sternwarten zeigen Halos, weil sie in bestimmten Konfigurationen unvermeidlich sind – und niemand versteckt diese Bildergebnisse. Weitere Informationen finden Sie auch in dem Dokument: Filterprobleme und die unglaublichsten Ursachen

Wenn Sie uns Ihr Foto mit einem Halo schicken und detaillierte Informationen über den optischen Aufbau angeben (Kamera, Reduzierstück, Flattener, Korrektor, Filter, Teleskop und deren Hersteller und Positionen) finden wir vielleicht einen Anhaltspunkt, um die Quelle für den Halo zu finden. Aber höchstwahrscheinlich können Sie ihn nicht loswerden – es sei denn, Sie verwenden eine umfangreiche Bildbearbeitung wie von unserem Kunden Andreas Bringmann, wie in dem PDF Halos - kein Problem! beschrieben.


Über den Autor

Michael Risch

Seit seinem 6. Lebensjahr interessiert sich Michael Risch für Astronomie, 1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes. Dort hat er als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er viele Ideen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert und als lanjähriger wissenschaftlicher Lektor viele "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Astronomisch hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf vielen Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird unter anderem im Rahmen der Celestron Distribution im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.

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