GM3000 HPS für Sternwarte Stuttgart

Montage der GM 3000 HPS Montierung durch das Team von Baader Planetarium

Der Schock bei den etwa 500 Mitgliedern und zwei Dutzend aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins „Schwäbische Sternwarte e.V.“ war groß, als sie im Herbst 2015 von der Nachricht überrascht wurden, dass ein nächtlicher Brand die Sternwarte Stuttgart heimgesucht hatte. Der Vortragsraum war völlig zerstört worden, auch die Bibliothek darin wurde ein Raub der Flammen. Die Kuppel der Sternwarte samt dem historischen über 100 Jahre alten Zeiss-Refraktor war vom Brand zwar nicht direkt betroffen, jedoch hatten Ruß und Rauchgas derartige Schäden angerichtet, dass umfangreiche Sanierungsmaßnahmen unumgänglich waren.

An Beobachtung und Himmelsführung war für die nächsten zwei Jahre nicht zu denken. Stattdessen bestimmten Rückbau, Generalsanierung und Wiederaufbau den Alltag im Verein. Das historische Teleskop wurde abgebaut und nach Jena gebracht, um es bei der Spezialfirma -4H- Jena engineering GmbH zerlegen, reinigen und instand setzen zu lassen.

Die beiden weiteren Teleskope der Sternwarte, die auf der Beobachtungsterrasse fest installiert sind, waren vom Brand glücklicherweise nicht betroffen. Dabei handelt es sich um ein 16-zölliges Newton-Teleskop und um einen 7“-Refraktor der Marke Starfire. Dessen Montierung war jedoch in die Jahre gekommen. Zudem erlaubte deren elektronische Steuerung keine automatische Positionierung, was vor allem bei Sternführungen mit großen Besuchergruppen recht lästig sein konnte. So war schon länger die Anschaffung einer neuen Montierung geplant. Die erzwungene Betriebspause der Sternwarte bot nun eine günstige Gelegenheit für den Austausch.

Nach intensiver Recherche fiel die Wahl auf eine 10micron GM3000HPS- Montierung, die parallel zum 7“-Starfire-Refraktor noch einen 4“-Zeiss-Refraktor mit Hα-Adaption von Coronado sowie einen 4“-Weitfeld-Refraktor von LZOS tragen sollte.

Montage und Aufstellort

Montierung und Teleskope in Schutzhütte aus Edelstahl

Der Aufstellort stellte dabei eine besondere Herausforderung dar. Die neue Montierung sollte nämlich die alte am selben Ort ersetzen. Bei diesem handelt es sich jedoch nicht um eine klassische Kuppel mit viel innerem Freiraum für ein Teleskop, sondern um eine freistehende Betonsäule, um die sich auch größere Besuchergruppen scharen können. Zum Schutz des geparkten Teleskops vor der Witterung dient eine fahrbare Schutzhütte aus Edelstahl. Die knappen Maße dieser Hütte waren das Problem: Sie machten eine äußerst aufwändige, präzise und detaillierte Planung der Positionierung aller Geräte auf der Montierung notwendig.

GM 3000 HPS mit 7" StarFire-Refraktor und weiteren Teleskopen

Daher war die Spannung groß, als die neue Montierung im Frühjahr 2017 angeliefert wurde. Würde alles passen oder würde es böse Überraschungen geben? Zum Glück ist alles gut gelaufen: Die für die Planung verwendete Sorgfalt zahlte sich aus, die neue Montierung mit allen Teleskopen passte auf Anhieb in die Überdachung. Die Inbetriebnahme sowie das Einnorden der Montierung gestalteten sich sehr einfach und wurden noch am selben Tag vorgenommen.

Dem Team von Baader Planetarium gebührt Lob und Dank für die sehr gute Unterstützung und Beratung im Vorfeld und bei der Installation. Zudem ist Herrn Risch für seine freundliche Betreuung bei der Fehlerbehebung zu danken, als die Montierung im ersten Sommer kleinere Probleme mit der Stromversorgung hatte.

Seitdem läuft die Montierung im täglichen Führungsbetrieb tadellos; mittlerweile haben schon weit über tausend Besucher mit ihrer Unterstützung den Himmel beobachtet. Die Bedienung mit dem herausragend exakten „GoTo“ ist dabei eine wahre Wonne, macht es doch das Anfahren des nächsten Objekts zum Kinderspiel. Kein Schwitzen mehr, wenn man vor einer Gruppe wissbegieriger Besucher steht und aufgrund des lichtverseuchten Stuttgarter Himmels das nächste Objekt nicht auf Anhieb findet.

M42 - aufgenommen von Sternwarte Stuttgart

Auch für fotografische Anwendungen kommt die Montierung regelmäßig zum Einsatz. Ein separater Autoguider ist nicht notwendig. So ist selbst Astrofotografie von Stuttgart aus möglich, wie diese Aufnahme von M42 zeigt. Dabei wurden 17 Aufnahmen von je 2 Minuten Dauer aufaddiert.

Sternwarte Stuttgart
www.sternwarte.de

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