Erste Fotos vom Kometen 46P/Wirtanen mit RASA 8

Der Komet Wirtanen nähert sich der Erde und wird immer heller. Neueste Schätzungen gehen jetzt von ca. 5m aus, womit er theoretisch mit bloßem Auge sichtbar sein sollte. Allerdings ist seine Helligkeit über eine vollmondgroße Fläche am Himmel verteilt, die Flächenhelligkeit ist daher gering. Um einen so speziellen Kometen zu sehen, braucht es deshalb einen sehr dunklen Himmel. Um ihn fotografieren zu können, sind Optiken mit hoher Lichtstärke und kurzer Brennweite notwendig. Damit ist Wirtanen ein ideales Testobjekt für die RASA f/2 Astrographen von Celestron, für Rasa 11 und RASA 36cm ist er allerdings zu groß, um ihn mit Schweif abzubilden.

Glücklicherweise haben wir gerade noch rechtzeitig zu Beginn der ersten Sichtbarkeitsperiode am Nordhimmel einen ersten RASA 8 erhalten. Das Gerät wurde umgehend an Michael Jäger nach Österreich weitergereicht, einen der besten Kometenfotografen weltweit. Die ersten fotografischen Ergebnisse sind vielversprechend. Ab Werk sauber justiert war nur der Anschluss der Kamera nötig, um schon in der ersten klaren Nacht den Kometen aufzunehmen.

Komet 46P/Wirtanen mit RASA 8" von Celestron, Michael Jäger

Komet 46P/Wirtanen mit RASA 8", aufgenommen am 1. Dez., L mit 20x90 Sekunden und RGB mit je 2x150 Sekunden, Kamera: ASI 1600 monochrome mit Baader Filtern, Michael Jäger

monchromes kontrastgesteigertes Foto von Komet 46P/Wirtanen aufgenommen mit RASA 8" , Michael Jäger

Komet 46P/Wirtanen mit RASA 8", aufgenommen am 1. Dez., Kamera: ASI 1600 monochrome mit Baader Filtern, Belichtungszeit: 5x90 Sekunden, Michael Jäger

Das Farbbild zeigt schön die grüne Koma, während auf dem monchromen kontrastgesteigerten Foto neben dem sehr deutlichen langen Plasmaschweif auch eine Ausbuchtung der Koma nach oben und rechts zu sehen ist, die auf einen Staubschweif hindeutet.

Die gif Animation (50x90sec) zeigt das Wehen des Plasmaschweifes im Sonnenwind. Weil die Belichtungszeiten dank des Öffnungsverhältnisses von f/2 sehr kurz sind, ist es Michael Jäger gelungen den Kometen und die Sterne gleichzeitig scharf abzubilden.

Natürlich reizt es bei einem neuen Teleskop, die schönen Objekte des Winterhimmels zu fotografieren. Michael Jäger hat sich den Rosetten-Nebel, sowie den Orion-Nebel für weitere Tests herausgesucht.

Rosettennebel aufgenommen mit RASA 8" von Celestron, Michael Jäger

Rosettennebel mit RASA 8" von Celestron, aufgenommen am 1. Dez., Michael Jäger

Das monchrome Foto des Rosetten-Nebels ist mit einem 12nm H-alpha Filter aufgenommen – mit nur 2min Belichtungszeit. Leider haben Windböhen die Sternabbildung etwas beeinträchtigt – doch das Bild lässt dennoch erahnen, welche Möglichkeiten der RASA 8 bietet.

M42 Orionnebel aufgenommen mit RASA 8" von Celestron, Michael Jäger

M42 Orionnebel mit RASA 8" von Celestron, aufgenommen am 1. Dez., Michael Jäger

Die sehr tiefe Farbaufnahme des Orion-Nebels besteht aus Einzelaufnahmen mit Filtern H-alpha 2x270 und 3x60 Sekunden, RGB jeweils 1x90 und 3x20 Sekunden (ASI 1600 Kamera mit Baader-Filtern). Die Gesamtbelichtungszeit beträgt also nur rund 20min! Für eine so tiefe Aufnahme liegen die Belichtungszeiten normalerweise eher im Stundenbereich. Aufnahmeort für alle Fotos war der Jauerling in Österreich unter sehr transparenten, dunklen Verhältnissen, da der Hochnebel das Streulicht weitgehend gedämpft hat.

Ein weiterer Vorteil des RASA 8: Nachfokussieren ist nur gelegentlich notwendig z.B. beim Wechseln von Filtern oder größeren Schwenks von einem Objekt zum nächsten. Nachjustieren ist überhaupt nicht erforderlich.

Nach diesen ersten Tests sagt Michael Jäger zur RASA8 Optik:

Das Gerät ist sehr effektiv und besonders gut geeignet, möglichst viele Deep-Sky-Objekte in kurzer Belichtungszeit zu fotografieren.

Pferdekopfnebel, aufgenommen mit RASA 8", reines RGB mit jeweil 6x2 Minuten, leicht geschärft, Michael Jäger

Pferdekopfnebel, aufgenommen mit RASA 8", reines RGB mit jeweil 6x2 Minuten, leicht geschärft, Michael Jäger

Der RASA 8 scheint die Hoffnung auf einen einfach zu handhabenden "Astrografen für Jedermann" zu erfüllen, mit dem man sehr schnell schöne Fotos von vielen Himmelsobjekten aufnehmen kann. Außerdem ist er ideal, um den Himmel nach Asteroiden und Kometen abzuscannen.

Ab Frühjahr 2019 wird der RASA 8 bei Ihrem Celestron-Händler verfügbar sein.

 


Über den Autor

Michael Risch

Seit seinem 6. Lebensjahr interessiert sich Michael Risch für Astronomie, 1981 wurde er Mitglied im Verein der Amateurastrononen des Saarlandes. Dort hat er als Vorstandsmitglied den Aufbau der Sternwarte Peterberg begleitet. Als Mitbegründer und erster Webmaster von www.astronomie.de hat er viele Ideen zum ersten deutschen Astronomieportal beigesteuert und als lanjähriger wissenschaftlicher Lektor viele "Nordlicht und Sterne" Reisen in den Polarkreis geleitet. Astronomisch hat er sich mit Planeten- und Kometen, Sonne, Deep Sky- sowie TWAN-Style Fotografie befasst, auch auf vielen Fernreisen u.a. zu 7 totalen Sonnenfinsternissen. Michael hat viele eigene Fotos und Artikel in Fachzeitschriften veröffentlicht und mit seinem Kollegen Martin Rietze für "Color Foto" Kapitel für die Bücher Fotoschule und Extremfotografie verfasst.

Bei Baader-Planetarium ist er im Sternwarten-Projektteam und wird unter anderem im Rahmen der Celestron Distribution im In- und Ausland für Vorträge gebucht. Ferner ist er Fachberater für High End Montierungen, Teleskope und vieles mehr.

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4 Gedanken zu „Erste Fotos vom Kometen 46P/Wirtanen mit RASA 8“

  • hub

    Ist der RASA 8 dann optisch identisch mit einem EdgeHD 8 mit Hyperstar-System, oder gibt es da Unterschiede? Gru? Heiko

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    • Team Baader Planetarium
      Team Baader Planetarium 4. November 2019 um 10:46

      Der Spiegel ist identisch, die Schmidtplatte ist anders. Auch hat das Gerät statt eines Fangspiegels einen Korrektor fest eingebaut, dieser lässt sich nicht rausnehmen und durch einen Fangspiegel ersetzen wie beim Edge HD: Aufgrund der optischen Unterschiede ist auch der Tubus länger als bei Edge HD 8

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  • Manfred Dr.Möhl
    Manfred Dr.Möhl 25. März 2019 um 12:15

    Ich habe eine Frage zu den beeindruckenden Rasa-Fotos. Wäre
    Rasa 8" mit der neueren Canon m-Vollformatkamera RP kompatibel ?

    Würde nur die lichtaufnehmende Fläche obstruktiv verkleinert oder

    würde das Bild zu großen Schaden nehmen ?( Kameramaße: 132x85mm)


    Vorab Dank für Ihre Antwort Manfred Möhl

    Antworten
    • Team Baader Planetarium
      Team Baader Planetarium 25. März 2019 um 16:13

      Der RASA 8 ist für maximal APS-C Sensoren gerechnet, nicht für Vollformat. Daher wird der Vorteil Ihrer Vollformat Kamera, das große Bildfeld, nicht nutzbar sein. Das große Kameragehäuse wird ferner die Form der Sterne und den Kontrast ungünstig beeinflussen.

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