Erfahrungsbericht Sternwarte Altomira

Nachfolgender ausführlicher Bericht wurde uns freundlicherweise von unserem Kunden, Herrn Backmeyer, zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.


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M27 Hantelnebel, weitere Astrobilder siehe unten, © U. Backmeyer

Einleitung

Mit großem Interesse habe ich nun erneut den Bericht von Michael Risch über den Aufbau der Sternwarte in Altomira, Griechenland gelesen. Ich erinnere mich, dass ich das Montageteam im Rahmen der Abstimmung überzeugen musste, einen Puffertag in die Planung einzubauen, da Wetter, Abstimmung, Organisation auch und insbesondere in Griechenland immer mal einen kleinen Strich durch die anfängliche Rechnung machen können. Da im Laufe der Installierung fast alle möglichen Risiken eintraten, hätten wir wahrscheinlich eine ganze Woche Puffer gebraucht, um das Projekt unter normalen Annahmen erfolgreich durchzuführen. Es sei dem Team herzlich gedankt, dass unter widrigen Umständen alles rechtzeitig und zu meiner vollsten Zufriedenheit abgeschlossen werden konnte!

Motivation und Entscheidung

© U. Backmeyer

Trotz der Tatsache, dass ich mich seit meinem neunten Lebensjahr intensiv für Astronomie interessiere, war die Entscheidung zum Bau einer Sternwarte in Griechenland sehr spontan, blauäugig und auch etwas verrückt. Aber wahrscheinlich werden nur so Träume wahr. Eine eigene Sternwarte ist für mich ein großer Schritt in der Entwicklung meines Hobbies gewesen. Wie gesagt, war ich seit meiner Jugend von der Astronomie begeistert, konnte aber durch Beruf und meinen Lebensmittelpunkt in einer hell erleuchteten Großstadt nur eingeschränkt meinem Hobby nachgehen.

Ich besitze seit 15 Jahren ein Ferienhaus bei Kalamata, Griechenland, und verbringe seitdem jährlich ca. 2 Monate dort. In den Jahren habe ich einige Teleskope angeschleppt, die dann und wann auf der Dachterrasse genutzt wurden. Irgendwann kam mir dann die Idee in den Sinn, einen festen Standort für ein Teleskop zu suchen, da das ständige Auf- und Abbauen sowie Ausrichten eines mobilen Teleskops lästig wurde. Von griechischen Freunden kannte ich ein ca. 850m hochgelegenes und weitgehend aufgelassenes Dorf ca. 30 Minuten vom Ferienhaus entfernt, von dem aus man einen beeindruckenden und freien Blick nach Osten, Süden und Westen hat. Zusammen mit meinem griechischem Nachbarn (besagtem George aus Michael Rischs Bericht) habe ich 2015 ein ideales Grundstück mit altem Haus gefunden, dass ich in den folgenden Jahren günstig erwerben und mit Georges Hilfe umbauen konnte. So schien ein idealer Standort für meinen Traum gefunden zu sein.

Realisierung

Der Umbau des Hauses hat ca. 2,5 Jahre gedauert, da der griechische Staat an die Renovierung eines Hauses in einem traditionellen Dorf sehr detaillierte Anforderungen stellt. Erdbebensicherheit, Wärmedämmung, Erscheinungsbild von außen (Fenster, Läden, Dachkonstruktion, Ziegeln) sind nur einige Beispiele. Eine Sternwarte ist in einem solchen Dorf natürlich nicht vorgesehen, aber auch nicht ausdrücklich unerwünscht. Trotzdem habe ich Bedenken zur Akzeptanz der Kuppel im Dorf gehabt. Schließlich war abzusehen, dass das Haus fertig wurde, und so machte ich mich mit leichtem Herzklopfen auf die Suche nach Teleskop, Montierung und Kuppel.

© U. Backmeyer

Von allen Anbietern habe ich mich relativ schnell für Baaders entschieden. Ich hatte hier den Eindruck, am besten und von A bis Z bei der Realisierung meines Vorhabens begleitet zu werden und eine fertige, durchdachte Lösung angeboten zu bekommen. Da das Haus einschließlich des Standorts des zukünftigen Teleskops auf dem Dach eines Anbaus bereits fertig war, fiel die Wahl auf die 3,5M All-Sky-Kuppel, die glücklicherweise fast ideal auf den Standort zu passen schien. Komplettangebot für Kuppel, Teleskop und Montierung, schnelle Entscheidung, Unterschrift und Bestellung. Gefallen hat mir in der darauffolgenden Abwicklung die fachgerechte Vorbereitung der Montage, die mir erlaubte, die entsprechende Vorbereitung vor Ort zeitgerecht zu treffen. Aus heutiger Sicht wäre es natürlich besser gewesen, die Firma bereits in der letzten Phase des Hausumbaus einzubinden, was das ein oder andere Problem umgangen hätte. Insbesondere hätten eine getrennte Stützung von Kuppel und Säule sowie eine etwas großzügigere Planung des Dachs geholfen, das Projekt noch etwas optimaler zu realisieren. Andererseits fand sich für alles eine annehmbare Lösung, so dass der Montage nichts mehr im Wege stand.

Die Montage selbst ist von Michael Risch ausführlich beschrieben worden. Glücklicherweise hatten wir einen Puffertag eingebaut, der die Differenz zwischen deutscher Planung, allgemeinem Risiko und griechischer Realität gut abgefangen hat. Trotz der völlig korrekt wiedergegebenen Überraschungen und Probleme haben wir noch Glück gehabt – einen Monat später war die Zufahrtstraße für zwei Tage völlig vereist, es lag 30cm Schnee im Dorf, Strom war für einige Tage ausgefallen… Natürlich darf an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Montage drei Monate vor dem Schließen der Landesgrenzen aufgrund der Pandemie erfolgte. Es hätte also in der Tat einiges schiefgehen können.
In Erinnerung geblieben ist mir insbesondere die trotz Wetterkapriolen ständig gute Laune des Montageteams, sowie die Professionalität der gesamten Montage. Bereits zitierter George, ein pensionierter griechischer Bauingenieur, schwärmt noch heute davon, wie durchdacht Produkt und Montage waren. „Made in Germany“ – sein Zitat.

Erste Erfahrung mit der Sternwarte

© U. Backmeyer

Wie bei vielen Träumen, sobald sie erfüllt sind, war auch hier der erste Eindruck gemischt. Begeistert war ich von der Funktion der Kuppel, die durch ihre Robustheit, aber auch die durchdachte Funktionen und Sicherungen einen sehr zuverlässigen Eindruck vermittelt. Der erste Eindruck des Teleskops (Celestron HD Edge 14“) war jedoch etwas enttäuschend. Ich hatte nach Beendigung der Montierung und vor meiner eigenen Abreise nur einen Abend Zeit und war von der Qualität des Bildes enttäuscht. Ich hatte eine deutlichere Verbesserung im Vergleich zu meinem alten Teleskop erwartet. Bei den nächsten beiden Aufenthalten noch vor der Pandemie sowie insbesondere im ersten Sommer nach Fertigstellung konnte ich mich allerdings bereits davon überzeugen, dass der erste Eindruck am schlechten Seeing des ersten Beobachtungsabends lag.

Erfahrung nach zwei Jahren

Nun blicke ich auf zwei Jahre Nutzung der Sternwarte zurück. Aufgrund der Pandemie konnte ich meine Errungenschaft deutlich häufiger und auch länger als erwartet nutzen, Homeoffice sei Dank. In den letzten beiden Jahren seit der Fertigstellung habe ich insgesamt ein Drittel der Zeit in Griechenland  verbringen können. Obwohl ich noch lange nicht alle Fähigkeiten des Teleskops habe nutzen können, bin ich heute rundum zufrieden.

© U. Backmeyer

Der Standort der Sternwarte hat sich als einfach genial erwiesen. Am Rande eines verlassenen Dorfs auf ca. 840m Höhe mit überwiegend stabilem Stromanschluss und vernünftiger Straßenanbindung habe ich auf dem 36. Breitengrad einen Flecken mit sehr dunklem Himmel (Klasse 3 nach Bortle Skala) und meist hervorragender Sicht bis zum Horizont gefunden. Das Wetter ist im Sommer in 95% der Nächte brauchbar, im Frühjahr und Herbst sind es 70%, im Winter immer noch geschätzte 30%. An klaren Winterabenden ist Canopus mit einer Höhe unter einem halben Grad über dem Horizont deutlich zu erkennen, das Zodiakallicht ist in praktisch jeder mondlosen Nacht zu sehen. Daneben schätze ich die relativ unkomplizierte Anreise mit Flugzeug oder Auto über Kalamata (zwei Stunden Flugzeit von mehreren deutschen Flughäfen) sowie die relative Nähe einer Stadt.

Die Kuppel verdient auch weiterhin meine volle Begeisterung. Sie hat über die vergangenen zwei Jahre die Ausrüstung sehr zuverlässig vor Hitze, Kälte und Feuchtigkeit geschützt. Auch Unwetter, Gewitter und Stürme haben ihr nichts anhaben können; sie funktioniert wie am ersten Tag.

© U. Backmeyer

Mit dem Teleskop (Celestron HD Edge 14“) komme ich inzwischen gut zurecht und erweitere meinen Horizont ständig. Seit ich vor anderthalb Jahren begonnen habe, mit einer NextImage Burst Color Kamera Planeten und später mit einer Canon EOS RA DeepSky-Objekte zu fotografieren, habe ich seine Fähigkeiten so richtig zu schätzen gelernt. Zugegebenermaßen zähle ich mich weiterhin zu den fortgeschrittenen Anfängern und Liebhabern der Astronomie, und freue mich in und nach jeder Beobachtungsnacht über die Ergebnisse. Die gesamte Ausrüstung sowie erworbenes Zubehör laden einfach dazu ein, seinen Horizont und Fähigkeiten zu erweitern! Als nächsten Schritt plane ich die Nutzung einer Deep Sky Kamera der QHY Serie.

Ich schätze es ungemein, ohne größere Vorbereitungen eine Beobachtungsnacht starten zu können und in den frühen Morgenstunden schnell und komplikationslos zu beenden. Auch in dieser  Hinsicht haben Kuppel und Montierung meine Erwartungen voll erfüllt. Kein langwieriges Aufstellen, keine obligatorische Ausrichtung des Teleskops. Nachfolgend eine Reihe von Fotos ohne nachträgliche Bildbearbeitung als Eindruck von Standort und Teleskop.

Helixnebel, weitere Astrobilder siehe unten
© U. Backmeyer

Ganz entgegen meiner Befürchtung ist die Sternwarte im Dorf überwiegend auf Interesse gestoßen. Nachbarn kommen gerne einmal vorbei, um einen Blick durch das Teleskop zu werfen. Gemeinsam haben wir im Dezember 2020 den in den griechischen Medien angekündigten Stern von Bethlehem (enge Konstellation von Jupiter und Saturn) beobachtet.

Kontakt:
Falls Sie an einer Besichtigung der Kuppel Interesse haben oder mit Herrn Backmeyer Kontakt aufnehmen möchten, nutzen Sie bitte unser Kontaktformular. Wir leiten Ihre Anfrage dann gerne weiter.

Örtliche Reiseleiter haben inzwischen Interesse an Exkursionen an den Standort bekundet mit der Möglichkeit einen Blick durch das Teleskop zu werden. Dies hat mich dazu motiviert, ein günstig zum Kauf angebotenes Nachbargrundstück an diesem wundervollen Ort zu erwerben und eventuell langfristig hier die Möglichkeit vorzusehen, der lokalen Bevölkerung sowie Touristen das Interesse an einem perfekten Nachthimmel nahezubringen sowie für astronomisch Gleichgesinnte ein ideales Fleckchen mit einfacher Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung zu stellen.#

Clear Skies,
Ulf Backmeyer


Astrobilder, aufgenommen von meiner 3.5M AllSky Sternwarte

Alle nachfolgenden Bilder © Ulf Backmeyer

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