Die Encketeilung im Saturnring - aufgenommen mit nur 17" Öffnung

Geschärftes Rohsummenbild Saturn vom 29. Juli 2018

Geschärftes Rohsummenbild Saturn vom 29. Juli 2018

Am 28. Juli 2018 gegen 22:00 UTC gelang uns die bislang beste Aufnahme vom Planeten Saturn. Aufnahmeteleskop war der 17" Planewave Astrograph der Sternwarte Rooisand in Namibia. Aufnahmekamera war eine ZWO ASI 290M mit 2.9 µm Pixelgröße. Die Primärbrennweite des Teleskops wurde mit einem Baader Q-Turett Barlowelement um den Faktor 1,7 verlängert, die Äquivalentbrennweite betrug demnach ca. 5 Meter. Insgesamt wurden 3000 Einzelbilder aufgenommen, von denen 10% gestackt wurden. Zur Seeingberuhigung wurde ein Baader IR Passfilter eingesetzt.

Nach der Bearbeitung des Rohsummenbildes zeigte sich im äußeren Ringbereich teilweise eine dünne schwarze Linie, die sich als die Encketeilung im A-Ring erwies. Sie wurde 1837 vom Berliner Astronomen Johann Encke entdeckt und damals auf 300 km Breite geschätzt. Nach Messungen der Voyager-Raumsonden von 1980/81 sind es im Mittel bis 330 km.

300 Kilometer entsprachen in Saturnentfernung im Juli 2018 nur 0,05 Bogensekunden. Das Auflösungsvermögen eines 17" Teleskops beträgt allerdings bei der tiefroten Wellenlänge von 685 Nanometer des IR Passfilters theoretisch nur 0,33 Bogensekunden. Wie kann es also möglich sein, dass auf unserem Bild die Encketeilung sichtbar ist?

Nun, hier muss unterschieden werden zwischen "aufgelöst" und "detektiert", also abgebildet. Das Auflösungsvermögen wird definiert als die Trennung zweier Punktlichtquellen. Prinzipiell können aber auch Objekte unterhalb der Auflösungsgrenze detektiert werden, wenn der Kontrast zur Umgebung hoch genug ist. Zudem lassen sich lineare Strukturen leichter erkennen.

Im Falle der Encketeilung verhält es sich folgendermaßen: Die Kamerapixel, auf denen die dunkle Teilung abgebildet wird, erhalten etwas weniger Signal als die umliegenden Pixel, die den helleren Teil des Saturnringes abbilden. Das heißt, die Pixel, in denen die Encketeilung abgebildet wird, erscheinen im fertigen Bild dunkler auch wenn die Teilung nur einen Pixelbruchteil auf dem Kamerasensor bedeckt.

Um auszuschließen, dass es sich bei "unserer Encketeilung" um einen Artefakt der Bildschärfung handelt, haben wir unser Bild um den Faktor 2 skaliert und mit einer Aufnahme des 1m Teleskops am Pic du Midi (Aufnahme von Damian Peach) deckungsgleich übereinander gelegt. Und siehe da, die Lage der Teilung ist identisch. In der Animation fällt die leicht geänderte Lage des Ringssystem in Sichtrichtung zur Erde zwischen Juni und Juli auf.

Animation Rooisand und Pic du Midi

Animation Rooisand und Pic du Midi

Animation Rohsummenbild und geschärft mit AstraImaging

Animation Rohsummenbild und geschärft mit AstraImaging

 

Für uns ist das Bild eine "kleine Sensation" und zeigt die hohe optische Qualität des Planewave Astrographen.

D. Lucius, F. Hofmann und W. Paech - Team Chamäleon

Software: Stacking mit AviStack, Rohsummenschärfung mit AstraImaging, Endbearbeitung mit Photoshop.


Wolfgang Paech

Über den Autor

Wolfgang Paech betreibt Astronomie seit nunmehr über 50 Jahren. Neben seinen zahlreichen Erfahrungen mit Sternwarten-Kuppeln aller Art sind seine Kerngebiete die Sonne und der Mond. Auf der Website www.chamaeleon-observatory-onjala.de finden Sie einen kompletten Mondatlas, aufgenommen mit seiner Standardtechnik. Aber auch in Sachen Deep-Sky und Planeten kann ihm, als langjährig erfahrenen Astrofotograf, niemand etwas vormachen.

Die 50+ Jahre Amateurastronomie mit vielen weiteren Bereichen, wie z.B. der Restaurierung historischer Amateurteleskope, Polarlichtreisen und vielem mehr sind auf seiner privaten Webseite unter www.astrotech-hannover.de aufbereitet.

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