2,6m Privatsternwarte Schweiz mit GM2000 QCI

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4 Takahashi und SolarMax SM90 Takahashi und SolarMax SM90

Kundenurteil von Josef Bucher

Der Wunsch, eine eigene Sternwarte irgendwo auf dem Lande draussen unter einem wenig lichtverschmutzten Himmel zu haben ist bestimmt der Wunsch vieler Amateurastronomen. Seien wir ehrlich: Das Suchen nach gut erreichbaren und geeigneten Beobachtungsplätzen, der stets wiederkehrende Auf- und Abbau der sperrigen Instrumente, buntes Kabelwirrwarr auf dem Boden, leere Akkus und PCs auf wackeligen Campingtischen ist nicht jedermanns Sache. Vom Winde, der einem um die Ohren pfeift, dem Taubeschlag auf Tuben und Okularen und dem Frieren in der kalten Jahreszeit ganz zu schweigen. Mir erging es jedenfalls so. Aber vom Tage x, wo für mich der Bau der privaten Sternwarte beschlossene Sache war bis zur Ankunft des LKWs der Firma Baader mit Kuppel, Säule, Montierung und diversen optischen Gegenständen (u.a. ein Grossfeldbinokular Mark V) floss noch viel Wasser vom Hinterrhein in die Nordsee.

Wer nämlich glaubt, man könne bei uns in der Schweiz problemlos in aller Abgeschiedenheit ein Gebäude errichten -und sei es auch noch so klein - der täuscht sich. Der Amtsschimmel will auch hier geritten und bezahlt sein. Eine umfangreiche Dokumentation in mehrfacher Ausführung machte die Runde in vielen Büros – hinauf bis zur Bundeshauptstadt Bern, wo man meine Anfrage schliesslich mit diversen Auflagen bewilligte.

Bau des Fundaments und Montage der Sternwarte

Mit dem Bau der Sternwarte waren Vorgaben wie Wünsche verbunden. So musste das Gebäude bestimmten ästhetischen Ansprüchen genügen; steht es doch an bester Lage und ist von weitem sichtbar. Eine permanente Stromversorgung anstelle von Akkus ist ein Muss für den reibungslosen Betrieb der verschiedenen elektrischen Anlagen. Das allerdings erforderte den Bau einer Bodenleitung.

Stimmung 7Nie zur Diskussion stand ein Schiebedach. Grund: Ein wirksamer Schutz vor Wind, Kälte, und Fremdlicht war gefragt. Das kann nur eine Kuppel bieten! Nicht zu vergessen der massive Betonsockel mit der Stahlsäule und einer präzisen GOTO-Montierung, welche zwei Teleskope mühelos tragen kann und sich auch ohne PC mit einer Handsteuerung bequem bedienen lässt.

Lange bevor die Handwerker vor Ort den Aushub machten, Bodenleitung legten, Fundamente betonierten und das Gebäude erstellten hatte ich verschiedene Angebote für die technische Ausrüstung überprüft. Der Entscheid für die Firma Baader Planetarium war mir leicht gefallen. Grund: Schnell war mir klar, dass ich es bei dieser Adresse mit Fachleuten zu tun hatte, die auch beraten können und sich dafür die nötige Zeit nehmen.

Zweimal fuhr ich nach Mammendorf, wo ich sehr freundlich empfangen wurde. Herr Baader zeigte mir seinen Betrieb und stellte mir die verschiedenen Produkte vor, die in Frage kamen. In der Ausstellung fand ich auch meine Wunschmontierung; eine edelstahlgraue 10Micron GM2000 QCI.


Stimmung 9Seit dem Einrichten der Sternwarte durch die Leute von der Firma Baader Planetarium bis zum Schreiben dieses Berichtes ist wiederum viel Wasser von der Schweiz in die Nordsee gelangt. Und x-mal hat sich in dieser Zeit nach dem Betreten das folgende Szenario abgespielt:

  1. Kuppeltor öffnen
  2. Die Montierung mit dem Kippschalter an der Kontrollbox einschalten
  3. Im Menü des Handbedienungsgerätes das gewünschte Objekt wählen und mit Enter bestätigen
  4. Enter ein zweites Mal drücken, damit das Teleskop das Objekt anfahren kann
  5. Mit der Fernbedienung den Kuppelspalt in die richtige Position fahren
  6. Fertig!

Stimmung 1Der ganze Vorgang dauert nicht einmal fünf Minuten. Was will man mehr?!

Da lohnt es sich alleweil, auch bei unsicherer Wetterlage in die Sternwarte zu gehen. A propos Kuppelseeing: Man liest und hört immer wieder davon. Ich persönlich habe das bis jetzt noch nie erlebt; die Ursache für zittrige Bilder war bis zum heutigen Tage immer in höheren Sphären zu suchen…

Panorama__1Fazit:

Die Kuppel ist ein echtes Bijou und hält, was sie verspricht. Sie hält jeder Witterung stand. Der Motorantrieb mit der Fernbedienung für deren Drehung ist ein kleiner Luxus, den ich nicht mehr missen möchte. Meine astronomische Tätigkeit ist vor allem das visuelle Beobachten unseres Sonnensystems. Da kann es schon vorkommen, dass das SolarMax II 90 Double Stack einen halben Tag lang auf die Sonne gerichtet ist. Kein Problem für die 10Micron GM2000 QCI. Auch nach vielen Stunden zeigt ein Blick ins Okular, dass die Nachführung äusserst präzise ist. Das Handbedienungsgerät hat sich als sehr praktisch erwiesen und die umfangreiche Software mit ihren vielen Funktionen ersetzt für mich den PC. Noch etwas: Ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotential birgt das Grossfeldbinokular Mark V in sich: Der Durchblick ist so sensationell (vor allem bei Mond und Planeten), dass man es einfach nicht mehr lassen kann!

Die Anlage ist nun zwei Jahre in Betrieb und es sind dort viele Leute ein- und ausgegangen. Ich kann einfach nur sagen, dass die massive und professionelle Bauweise der einzelnen  Komponenten  und deren tadelloses Funktionieren – sei es die Kuppel, die Säule mit der Montierung, das Adaptersystem mit dem Schnellverschluss, das Bino … – den Besuchern wie auch mir immer wieder  viel Eindruck macht.

Technik und Zubehör

So funktioniert bis heute alles bestens, im Sommer bei 35 Grad Hitze wie auch im Winter bei -20 Grad Kälte. Bei solchen Minustemperaturen bekommt man natürlich auch im Schutze der Kuppel die Kälte zu spüren. Angenehmer wäre es dann zwar zu Hause – dafür gibt es dort keine Stahlsäule mit einer italienischen Schönheit oben drauf – gemeint ist die GM2000 QCI – und an der Decke fehlt die Baaderkuppel mit dem Spalt zum freien Sternenhimmel.

Mehr Infos unter: www.sattenlegi.ch

Willisau, 20 November 2013, Josef Bucher


 

Zusatzbericht 2016

TEC APO 160 FL und Solarmax SM 90 DS in Baader Planetarium Kuppel

Wilhelm Busch war nicht nur ein begabter Zeichner und Dichter. Er hat sich auch mit den Wünschen und Träumen seiner Zeitgenossen auseinandergesetzt. Seine Feststellung, ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriege augenblicklich Junge, bestätigt dies.

Zweifelsohne hat ihn der damalige Zeitgeist in dieser Meinung bestätigt. Lebte er heute und sähe er z.B. den jetzigen technischen Entwicklungsstand in der Amateurastronomie, würde er den bekannten Aphorismus kaum anders formulieren.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wilhelm Busch hat mich mit seinem geflügelten Satz nicht manipuliert!

Ich hatte zwar schon ein Teleskop. Aber den Wunsch, mit einem solchen Instrument noch weiter ins All hinauszublicken, die Planeten noch detailreicher zu sehen und auf dem Mond noch feinere Strukturen zu erkennen – den hätte ich auch ohne ihn gehabt.

So machte ich mich 2014, drei Jahre nach dem Bau meiner Sternwarte, auf die Suche nach diesem Teleskop. Von Anfang war mir klar, dass es nur ein Refraktor sein konnte. Bei der Firma Baader wurde ich schliesslich fündig. Der TEC APO 160 FL entsprach genau meinen Vorstellungen: brillante Optik mit nadelscharfer Abbildung, Null Farbfehler, stabiler Auszug, spielfreie Fokussierung. Aber dieses Wunschteleskop war leider nicht auf Abruf lieferbar. Wie sagt man doch so schön: Gut Ding will seine Weile haben. In diesem Falle war Weile das Synonym für 12 Monate.

TEC APO 160 FL in Sternwartenkuppel von Baader Planetarium

Im Februar 2015 dann die Sternstunde. Die 10Micron GM 2000 QCI bewegte den TEC erstmals Richtung Mond. Ziel war das Landegebiet von Apollo 15, dem man bekanntlich mit einem leistungsstarken Teleskop recht nahe kommt.

Welche Überraschung! Im Weitwinkelokular zeigte sich mir eine derart fein strukturierte Mondlandschaft, wie ich sie nur von exzellenten Karten und hochwertigen Fotoaufnahmen her kannte. Der Mons Hadley war so klar ersichtlich wie Luzerns Hausberg Pilatus bei Föhnstimmung (das will etwas heissen!) und die Hadleyrille glich dem Reusstal im Gotthardmassiv aus der Vogelperspektive. Details, nichts als Details. Eines wurde mir sehr schnell klar: Man müsste x Leben haben, um alles beobachten zu können!

Refraktor TEC APO 160 FL in Baader Planetarium Sternwartenkuppel

In der Gegend, wo ich wohne, gibt es wenige Möglichkeiten mit einem leistungsstarken Teleskop das All visuell zu erkunden. Aus diesem Grunde habe ich in meiner Privatsternwarte oft Besuch von jungen wie auch älteren Leuten. Selbst bei 4 K TVs bei sich zu Hause kommen diese immer wieder ins Schwärmen, wenn sie beim Blick durch den TEC APO 160 FL auf Anhieb Jupiters fein strukturierte Wolkenbänder mit dem roten Fleck sehen, die unterschiedlichen Farben von Io, Europa, Ganymed und Calisto ganz klar erkennen oder mit dem Baader Grossfeldbinokular Mark V auf den Mond den Plato mit seinen Kleinkratern so plastisch vor sich haben.

Fazit nach mehr als einem Jahr intensiven, visuellen Gebrauchs: Der TEC 160 APO FL ist ein absolutes Spitzenteleskop, das zwar einen stolzen Preis hat; den aber mehr als nur wert ist. Ob Mond, Planeten, Stern- und Kugelsternhaufen, Orionnebel oder ferne Galaxien – bei entsprechender Sicht ist der Erfolg garantiert. Grenzen setzt stets das Seeing – nie das Teleskop.

Sie glauben, ich hätte übertrieben?

Dann sind Sie herzlich eingeladen, mal auf die Sattenlegi (www.sattenlegi.ch) zu kommen, um selber vor Ort die Leistungsfähigkeit des TEC APO 160 FL zu erleben.

Doch aufgepasst: Vergessen Sie vor lauter Staunen bloss nicht den Heimweg wieder rechtzeitig anzutreten. Sie wären nicht der erste Besucher, dem dies passiert.

Willisau im Juni 2016
Josef Bucher

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