Beobachtung: Kleinplanet Clausbaader (5658)

header-clausbaader

animation-baader-300pxl Clausbaader am 09.09.2015 um 18:15 und 18:55 UT

Ein Bericht von Dipl.-Ing. Wolfgang Paech – Onjala- und Chamäleon Observatory, Namibia

Für meinen diesjährigen, längeren Aufenthalt in Namibia hatte ich mir vorgenommen, den Kleinplaneten 5658 - Clausbaader - aufzunehmen. Er stand recht günstig am Abendhimmel, dicht bei Saturn und relativ hoch am Himmel. Die Bildserie ist als kleine Homage an Claus Baader gedacht, den Gründer der Firma Baader Planetarium GmbH, der eine der führenden Persönlichkeiten im Bereich Amateurastronomie und Volkssbildung im letzten Jahrhundert in Deutschland war. Lesen Sie mehr dazu unter Firmengeschichte.

Das Aufnahmeinstrument - der 150mm Zeiss APQ Refraktor und ein Celestron C14 auf einer Astro Physics 1200 GTO Montierung in einer 4 Meter Kuppel Das Aufnahmeinstrument - der 150mm Zeiss APQ Refraktor und ein Celestron C14 auf einer Astro Physics 1200 GTO Montierung

Für die Aufnahmen wurden der 150mm Zeis APQ Refraktor des Onjala Observatory und eine "uralte" SBIG ST-2000XM eingesetzt.

Nach Abschluss des "Projekt Pluto" – den Versuch Pluto mit einem klassischen 2 Zoll Teleskop aufzunehmen – wurden am 5. September erste Testaufnahmen durchgeführt. Das ganze Projekt stand am Anfang unter keinem "guten Stern".

cbaa-600sek-01-eisbrille-grossZuerst fiel meine Brille herunter und zerbrach genau in der Mitte. Die Ersatzbrille funtionierte bei Tageslicht ganz gut, in dunkler Nacht jedoch verblieben im Unendlichen leichte Bildunschärfen, das heißt, die Sterne am Himmel blieben unscharf. Zum Glück fand sich ein "magischer" Zweikomponetenkleber, der es tatsächlich fertigbrachte, die beiden Teile an ihrer dünnsten Stelle wieder flexibel dauerhaft miteinander zu verbinden.

Zudem zeigte sich, dass die Trockenpatrone der jahrelang nicht genutzten SBIG ST-2000 XM CCD Kamera nicht mehr funktionierte. Schon bei Temperaturen knapp über 0 Grad vereiste die Chipoberfläche trotz der geringen Luftfeuchtigkeit um die 20 Prozent. Testaufnahme vom 05. September mit einer völlig vereisten Chipoberfläche (Abb. 1).

feuer-01-gross

feuer-02-grossDa die Küche der Onjala Lodge nur über Gasöfen ohne Temperaturanzeige und Mikrowellenöfen verfügt, stellte sich das Problem: wie die Patrone "backen".

Da nach Angaben von SBIG die Patronen nicht in einem Mikrowellenofen getrocknet werden dürfen, entschied ich mich "das Höllenfeuer" des allsamsttäglichen Grillabends der Lodge zu nutzen und die Patrone dort für einige Stunden zu "grillen".
Der Erfolg war nicht gerade umwerfend, reichte aber aus um die Kamera in den beiden nächsten Nächten dauerhaft und ohne Vereisung auf O Grad herunterkühlen zu können.

karte-guide-09-09-2015-logo Position von Clausbaader am 09. September 2015. Mit im Aufnahmefeld befanden sich der Kleinplanet WURM (1785) und einige andere Objekte, die jedoch so lichtschwach waren, dass sie mit meinem Aufnahmeequipment nicht nachweisbar sind

Um das Aufnahmefeld mit dem Pointing der 1200 GTO einigermaßen sicher treffen zu können, wurde zunächst auf Saturn positioniert, dann ein Recalibrate der Steuerung durchgeführt und dann auf die Koordinaten von Clausbaader positioniert. Zur Überprüfung der Positionierung wurde dann das entsprechende Gesichtsfeld noch mit dem Sternkartenprogramm GUIDE 9.0 überprüft.

Dieser Abgleich zwischen GUIDE und dem Lifebild der SBIG Kamera ist gar nicht so einfach, denn die Kamera zeigt - auch schon bei kürzeren Belichtungszeiten - wesentlich mehr Sterne als die Sternkarte. Zudem muss die Orientierung der Sternkarte mit dem Kamerabild übereinstimmen. So braucht es schon sehr auffällige Sternkonstellationen, um das Kameraaufnahmefeld festzulegen, die es bei Clausbaader leider nicht gab.

Der rechteckige große Rahmen auf der Sternkarte zeigt das Aufnahmefeld der ST-2000 XM, das kleinere darüberliegende das Feld des Guiding Chips.

cbaa-300sek-02-alt-1100pxl+txt Abb. 3

karte-guide-08-09-2015-logo Abb. 2

Der erste Versuch Clausbaader aufzunehmen erfolgte am Abend gegen 19:34 UT mit einer 300 Sekunden Belichtung. Eine zweite Aufnahme sollte 2 Stunden später aufgenommen werden, um durch Überlagerung beider Bilder Clausbaader durch seine Bewegung vor den Hintergrundsternen eindeutig identifizieren zu können. Leider bewölkte sich der Himmel in dieser Zeit. Überhaupt war das Wetter während meines Aufenthaltes in Namibia von Anfang Juli bis Ende September sehr "durchwachsen".

Eine erste Analyse des Bildes bestätigte jedenfalls das korrekte Aufnahmefeld (Feldgröße: 33.9 x 25.4 Bogenminuten, Abbildungsmaßstab: 1.27"/Pixel), denn die Position der beiden Galaxien LEDA 92 474 und PGC 56 147 stimmen mit der GUIDE Karte überein (Abb.2). Ebenso zeigt sich der Kleinplanet Wurm eindeutig als kurzer Strich aufgrund seiner höheren Bahngeschwindigkeit (Abb. 3)

addition-cb-600s-01+02-neu-800pxl-grossAm nächsten Abend gelangen dann kurz hintereinander drei Aufnahmen, die die Kleinplaneten Clausbaader und Wurm und deren Bewegung am Himmel deutlich zeigen, obwohl die Helligkeit von Clausbaader mit 18m5 für ein bewegtes Objekt schon grenzwertig für Kamera und Teleskop waren.

Das rechte Bild (Abb.4) zeigt eine Überlagerung von zwei 600 Sekunden Belichtungen. Die Positionen von Clausbaader für den Startpunkt der jeweiligen Belichtung sind markiert (17:59 und 19:17 UT). Zwischen diesen beiden Aufnahmen wurde eine durchgehende 2400 Sekunden Belichtung aufgenommen (siehe unten, Abb. 5), die Wartezeit habe ich angenehm bei einem GinTonic in der Bar der Onjala Lodge verbracht. Im folgenden die weiteren Bilddaten:

Kleinplanet Bewegung Winkel (Grad) Helligkeit (mag.)
Wurm 59.1"/h 98.6 17.9
Clausbaader 41.8"/h 99.4 18.5

cb-2400sek-neu-1100pxl+txt-gross Abb. 5: Clausbaader und Wurm in einer 2.400 Sekunden Belichtung (09.09.2015 - 18:15 - 18:55 UT). Die stellare Grenzgröße dürfte knapp bei der21. Magnitude liegen.

animation-baader-400pxl Animation 5658 Clausbaader vom 09.09.2015 (17:59 und 19:16 UT)

Der Kleinplanet Claubaader befand sich zur Zeit der Aufnahmen in einer Entfernung von exakt 2.971 AE oder 444.446,677 Kilometer vom Erdmittelpunkt entfernt.

Aufgrund der Tatsache, dass sich der Kleinplanet Clausbaader während der Zeit der Aufnahmen in einer sehr attraktiven Himmelsregion befand, wurde am 13.09. auch noch eine Übersichtsaufnahme des Feldes angefertigt (siehe unten, Abb.6).

Dazu wurde eine Original Canon EOS 60DA mit einem 50mm Objektiv (1.8) eingesetzt. Belichtet wurden 6 Einzelbilder mit 640 ASA je 600 Sekunden Belichtungszeit. Das Objektiv war auf f/4.5 abgeblendet.

 

kuppel-02 Das Bild zeigt die transportable Montierung, eine Celestron CGEM DX. Hintergrund die Onjal 4m Kuppel und die private 3m Kuppel des Chamäleon Observatory kurz vor Sonnenuntergang.

teleskop-02 Die EOS saß "huckepack" auf einem 105mm Pentax Refraktor (links daneben ein Celestron 80mm Onyx). Die Montierung läuft so gut, dass auf ein Guiding verzichtet werden konnte.

clausbaader-feld+txt-gross

 


Hermes: CCD Aufnahme vom Autor, kurz nach seiner Wiederentdeckung am 28. Oktober 2003 aufgenommen. Belichtungszeit 1800 Sekunden mit SBIG ST-10 XME. Das Bild zeigt - eingekreist - drei weitere Kleinplaneten Hermes: CCD Aufnahme vom Autor, kurz nach seiner Wiederentdeckung am 28. Oktober 2003 aufgenommen. Belichtungszeit 1800 Sekunden mit SBIG ST-10 XME. Das Bild zeigt - eingekreist - drei weitere Kleinplaneten

Karl Wurm (* 21. Juli 1899 in Siegen; † 16. Februar 1975 in Bonn) war ein deutscher Astronom. Wurm studierte an der Universität Bonn Mathematik, Physik und Chemie mit der Promotion 1926. Danach ging er an das Astrophysikalische Observatorium in Potsdam, wo er Bandenspektren von Molekülen aus Sternatmosphären und Kometen untersuchte. Das führte zu einem diesbezüglichen Beitrag im Handbuch der Astrophysik (1930). Er forschte über Kometen und insbesondere nach einem Studienaufenthalt bei Otto von Struve 1938 am Yerkes Observatorium über Spektren von Gasnebeln. 1941 wurde er Haupt-Observator der Hamburger Sternwarte in Hamburg-Bergedorf. 1950 war er einige Monate Gastprofessor an der Humboldt-Universität Berlin und am Observatorium in Babelsberg. Wegen der schlechten Beobachtungsbedingungen in Hamburg beobachtete er ab 1954 regelmäßig in Asiago (Venetien). QUELLE: Wikipedia

Karl Wilhelm Reinmuth (* 4. April 1892 in Heidelberg; † 6. Mai 1979 ebenda) war ein deutscher Astronom, der am Observatorium auf dem Königstuhl bei Heidelberg tätig war. Reinmuth besuchte die Oberrealschule und studierte anschließend an der Universität Heidelberg. Schon als Student war er unter Max Wolf an der Sternwarte tätig, 1916 wurde er mit der Dissertation Photographische Positionsbestimmung von 356 Schultzschen Nebelflecken promoviert. Bis zu seiner Pensionierung 1957 war er, nur unterbrochen durch den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, an der Sternwarte Königstuhl beschäftigt, seit 1914 als Assistent, seit 1926 als Observator und seit 1937 als Ober-Observator. 1928 heiratete er Lina, geb. Alstede, das Paar hatte drei Söhne. Entdeckungen Reinmuth entdeckte zwei kurzperiodische Kometen, nämlich 30P/Reinmuth und 44P/Reinmuth sowie 395 Asteroiden (siehe Liste der Asteroiden), darunter Apollo, den Namensgeber einer Gruppe von Asteroiden (Apollo-Typ), deren Bahnen die Erdbahn kreuzen können. Reinmuths Entdeckungen von Asteroiden entfallen auf den Zeitraum von 1914 bis 1957. Besonders spektakulär war seine Entdeckung des Asteroiden (69230) Hermes 1937, der erst 2003 durch das LONEOS-Programm wiedergefunden wurde. Berechnungen zu dessen Bahn stellte der deutsche Astronom Friedrich Gondolatsch an. QUELLE: Wikipedia

Hinterlasse eine Antwort