Baader IR Passfilter - Im praktischen Einsatz

Astroaufnahme mit einem Baader IR Passfilter

Im langwelligen Spektralbereich (rotes Licht) wirkt sich die atmosphärische Luftunruhe (Seeing) wesentlich geringer auf die Bildschärfe aus als im visuellen Breich zwischen 400 und 650 Nanometer. Feine, zarte Bilddetails lassen sich so besser darstellen und die resultierenden Summenbilder, aufgenommen mit Videomodulen, werden wesentlich schärfer. Für Farbaufnahmen im RGB Aufnahmemodus können Bilder, aufgenommen in Schwarz-Weiß und dem Baader IR-Passfilter, als vierter Kanal (Luminenz) in ein solches Bild integriert werden. Für jeden Besitzer eines Videomoduls und der Bildaufnahme mit "lucky imaging technic" ist das Baader IR Passfilter eine hochinteressante Erweiterung im "Kampf" gegen die Luftunruhe.

  • Aufnahmen der schmalen Venussichel bei Tageslicht
  • Mondaufnahmen im Vergleich mit und ohne IR Passfilter
  • Tageslichtfotografie des Mondes mit dem IR-Passfilter

 

Das Saturnbild oben wurde am 23.09.2015 an einem 17 Zoll PlaneWave Astrographen mit einer brennweiten Verlängerung einer Baader Q-Turett Barlowlinse, bei einer Brennweite von 4.750 mm (f/11), mit einem SkyRis Videomodul 445 Mono und dem IR-Passfilter aufgenommen. 300 von 3.000 Einzelbilder wurden gestackt, Bildverarbeitung mit AviStack und Photoshop. Saturn hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme einen Durchmesser von nur 16 Bogensekunden.


 

Unterschied mit und ohne Baader IR Passfilter mit Aufnahmen vom SaturnAnimation Unterschied mit und ohne Baader IR Passfilter am Saturn

Animierte Bildbeispiele für Saturnaufnahmen OHNE und MIT Baader IR-Passfilter.

Einzelrohbilder mit und ohne Baader IR Passfilter. Bei den Einzelbildern zeigt sich die Bildverbesserung nicht so deutlich wie im gestackten Endbild. Die beiden Bilder zeigen jeweils das beste Bild aus einem avifile.

Die beiden Endbilder der avifiles, aufgenommen im August 2015 an einem Celestron 14 bei f = 3.900mm.6.000 Einzelbilder, davon jeweils 600 Bilder gestackt. Die beiden avifiles wurden unmittelbar hintereinander aufgenommen.

Trotz der Verdopplung der Belichtungszeit der Einzelbilder, die mit dem Baader IR Passfilter aufgenommen wurden, zeigt sich die Verbesserung der Bildschärfe bei den gestackten Endbildern sehr deutlich.

 


 

Foto Aufnahme von der Venus mit einem IR Passfilter von Baader Planetarium

Hauchzarte Venussicheln:

Neben der Seeingberuhigung bei Mond- und Planetenaufnahmen sind ein essentielles Einsatzgebiet für das Baader IR Passfilter Tageslichtaufnahmen der schmalen Venussichel oder Aufnahmeserien einer Venuskonjunktionen. Wir haben eine Auswahl von Aufnahmen und kurze Beobachtungsberichte an dieser Stelle für Sie bereit gestellt.

Teleskop C11 EdgeHD und IR Passfilter während der Venusaufnahme

Hinweis: eine absolut saubere Optik, die keinerlei Streulicht produziert ist absolute Voraussetzung solcher Tageslichtaufnahmen (siehe hierzu auch Baader Optical Wonder).

 

Bilddaten: 22. Aug, 29. Aug, 11. Sep. Instrument: C11 EdgeHD Filter: Baader IR pass Ort: Spicheren.

Bildauthor - Herr S. Voltmer - schreibt zu seinen Bildern:

3 Venus Aufnahmen zu verschiedenen Zeiten mit IR PassfilterAm 22. August 2015, als die Venus noch sehr nahe bei der Sonne stand, fiel das Sonnenlicht in den Tubus und wurde knapp am Fangspiegel vorbei herausgespiegelt. Doch am 29. August trafen die Sonnenstrahlen beim Austreten ausgerechnet die Kante der Schmidtplatte. Dies verursachte eine asymmetrische Hitzeentwicklung im Tubus und sorgte für unerwünschte Reflexe. Um dies zu verhindern, konstruierte ich aus einer Fotoklemme, der Mittelstange eines Stativs und einem kleinen Foto-Reflektor einen Schattenwerfer. Dies verbesserte den Kontrast der zarten Sichel erheblich und beugte Schäden vor. Zudem hält der verspiegelt-weiße Aufhell-Schirm die Luft unmittelbar vor der Optik kühl, was die Schärfe der Aufnahmen verbesserte.


 

Venus aufgenommen mit Zeiss und IR Passfilter von Baader Planetarium

Herr Helmut Heinicke schickte uns dieses Bild der Venus - ebenfalls in unterer Konjunktion vom 13.8.2015 aufgenommen - durch einen 6" Zeiss APQ und ein Baader IR-Passfilter.

Die zugehörigen Bilddaten finden Sie auf dem Vollbild

Venus 3 Tage Fotos mit Baader Planetarium IR Passfilter

Die rechte Bildserie zeigt eine noch etwas schmalere Venussichel (im Minimum zu 0.94% beleuchtet) in unterer Konjunktion im Jahr 2007. Die Aufnahmen entstanden noch mit einem Prototyp der Baader IR Passfilter.
Der Bildautor - W. Paech - schreibt dazu:

Aufnahmen der Venus sind ja eigentlich langweilig. Es fand aber während meines Aufenthaltes in Namibia eine untere Konjunktion der Venus statt (17./18. August) und wegen der hohen Konstanz des klaren Wetters wollte ich versucht diese zu dokumentieren. Ebenfalls immer noch interessant sind Beobachtungen zu den "übergreifenden Hörnern" der Venus bei dieser schmalen Beleuchtungsphase. Dieser Effekt war allerdings nicht nachweisbar.

Die Aufnahmen zur Venuskonjunktion wurden am Zeiss APQ Refraktor (+ 2afch AstroPhysics Barlowlinse) und einer monochromen DMK Kamera aufgenommen. Der Zeiss ist tagsüber doch deutlich streulichtärmer als das C14. Zum Einsatz kam ebenfalls ein Prototyp des IR Passfilters der Firma Baader Planetarium. Die Belichtungszeiten der Einzelbilder lagen bei 1/500- bis 1/1000 sek. Klicken Sie hier zum Laden eines Bildes, mit 5 Ansichten der Venuskonjunktion, im Jahr 2007.


 

Der Einsatz des IR Passfilters bei hochaufgelösten Mondaufnahmen - Vergleiche zwischen Baader UV/IR Sperrfilter und IR Passfilter

GIF Mond Aufnahme im Vergleich mit und ohne IR Passfilter von Baader

Wie bereits oben, beim Saturn erwähnt, wirken sich atmosphärische Seeingeffekte im langwelligen roten Spektralbereich deutlich geringer aus, als bei kürzeren Wellenlängen (grün und blau). Das bedeutet letztlich, dass Bilder - aufgenommen durch ein Baader IR Passfilter - eine höhere Bildschärfe haben, als Bilder die durch das Baader UV/IR Sperrfilter (400 - 660 Nanometer) aufgenommen wurden.

Alle folgenden Bildvergleiche wurden in einer Nacht (21. März 2014) und in einer Zeitspanne von nur knapp 60 Minuten aufgenommen (abnehmender Mond). Das Seeing war über die ganze Zeit mittelmäßig.

Die Aufnahmedaten: Standard Celestron C14, fokal + Celestron SkyRis Kamera 445 M, wechselnd mit UV/IR Sperr und IR Pass. Standort des Teleskops Onjala Lodge/Namibia. Die Rohavisfiles bestanden aus 1.200 Einzelbildern von denen dann jeweils 144 mit AviStack 1.8 zum Rohsummenbild aufadiert wurden. Die weiterführende Bildbearbeitung (Bildschärfung mit Waveletfilterung) bis zum hier gezeigten Vergleichsbild erfolgte für die beiden Vergleichsbilder absolut identisch.

Die linke Animation zeigt die Kraterkette Catena Abulfeda.

 

Abulfeda und Catena Abulfeda Vergleich UV/IR Sperrfilter zu IR Passfilter

Abulfeda und Catena Abulfeda

Links: UV/IR Cut, 21.03.14 - 01:07:25 UT

Rechts: IR Passfilter, 21.03.14 - 01:26:10 UT

 

 

 

 

 

 

 

Catharina und Rupes Altai UV/IR Sperrfilter zu IR Passfilter von Baader

 

Catharina und ein Teil von Rupes Altai

Links: UV/IR Cut, 21.03.14 - 01:10:54 UT

Rechts: IR Passfilter, 21.03.14 - 01:24:59 UT

 

 

 

 

 

 

 

Theophilus und Cyrillus UV/IR Sperrfilter zu IR Passfilter von Baader Planetarium

 

 

Theophilus und Cyrillus

Links: UV/IR Cut, 21.03.14 - 01:09:55 UT

Rechts: IR Passfilter, 21.03.14 - 01:24:00 UT

 

 

 

 

 

 

 

Posidonius im Vergleich mit UV/IR Sperrfilter - IR Passfilter Baader

 

Posidonius

Links: UV/IR Cut, 21.03.14 - 00:46:09 UT

Rechts: IR Passfilter, 21.03.14 - 01:18:33 UT

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Krater Posidonius mit UV/IR Sperrfilter und IR Passfilter

Die vier Bildbeispiele oben und auch der direkte Vergleich links in einer Animation vom Krater Posidonius belegen eindeutig die Bildverbesserung, die durch den Einsatz des Baader IR Passfilters bei hochaufgelösten Mondaufnahmen erreicht werden kann.


 

Das Baader IR Passfilter kann aber noch viel mehr. Neben der Beruhigung von Seeingeffekten, kann man auch am Tageshimmel Bildserien des Mondes aufnehmen. Der Himmelhintergrund wird durch das IR Passfilter dunkel und die hohen Kontraste am Terminator werden "weicher" wiedergegeben als bei Aufnahmen in der Nacht. So ist man in der Lage auch Bilder bei Beleuchtungssituationen aufzunehmen, die in der Nacht nicht so ohne weiteres möglich sind.

Auf die Idee, Mondbilder bei hoch stehender Sonne aufzunehmen, muss man erst einmal kommen. Sie kam spontan um das Ergebniss der Reinigung einer SC-Schmidtplatte mit Baader Oprical Wonder zu überprüfen. Aber Dank der Stacking-Technik und bei einem klaren, blauen Tageshimmel ist der Kontrast auf der Mondoberfläche sogar bei hochstehender Sonne noch so gut, dass diese Referenzbilder möglich waren, die ganz klar zeigen was eine gute - saubere - Optik mit der richtigen Filterung leisten kann, wie die folgenden Testbilder eindrücklich beweisen.

Mondfotografie mit dem Baader IR Passfilter am Tageshimmel bei hochstehender Sonne

Aufnahmeinstrument war wieder das Celestron C14 der Onjala Loge/Namibia, Aufnahmekamera eine Celestron SkyRis 445 Mono. Die Rohavis (1.200 frames) wurden am 23. April 2014 zwischen 08:30 und 09:30 UT bei einer Sonnenhöhe von über 40 Grad aufgenommen. Das erste Bild zeigt die vulkanischen Dome beim Krater Hortensius, die wegen ihrer geringen Höhe schwierig aufzunehmen sind. Dass man sie auf Aufnahmen bei Tageslicht deutlich sichtbar machen kann, zeugt von der hohen Qualität des Baader IR Passfilters. So würden diese Strukturen nicht sichtbar sein, würde das Filter auch nur einen geringen Anteil an Streulicht oder Reflexion erzeugen.

Mondkrater Aufnahmen mit Baader IR Passfilter

Mondlandschaft aufgenommen mit IR Passfilter von Baader Planetarium

Das Bild links zeigt den großen Krater Kopernikus und rechts daneben die vulkanischen Hortensius Dome H1 bis H6. Diese haben Durchmesser von 7.6 bis 12.5km, die Gipfelkrater zwischen 1- und 2km. Die Höhen der Dome liegen dagegen allerdings nur zwischen 190 und 390 Meter.

scharfe Mondkrater Bilder aufgenommen mit IR Passfilter von Baader Krater Kepler und Encke
Mondkrater mit einem Passfilter von Baader Planetarium aufgenommen Krater Bullialdus
Mondlandschaft fotografiert mit Baader IR Passfilter Krater Lacus Tomoris und Hainzel

 

 

 

 

Aufnahmedaten: Celestron SkyRis Kamera 445 M, Onjala C14 fokal und Baader IRPassfilter. Stacking jeweils 144/1.200 frames mit AviStack 1.8. Fertiges Bild mit Photoshop CS2.

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